Keine Zeit

not time toulouse 550Ich habe heute definitiv keine Zeit für einen Beitrag auf dieser Website. Woher soll ich die Zeit auch nehmen? Ich habe heute früh einen Termin in Tokyo, mittags bin ich beim Lunch in Kopenhagen und abends treffe ich mich mit dem Argentinischen Landwirtschaftsminister. In Sydney.

Im Ernst. Ich habe so wenig Zeit, dass ich praktisch jeden Tag ein Minuszeitbudget verwalte. Ein paar Minuten die hier fehlen, ein halbe Stunde dort. Ich bin derart im Zeitverzug, dass ich, gäbe es einen Schöpfer, diesen täglich eine Rechnung präsentieren müsste, wie viele Stunden er mir schuldet, weil er idiotischer Weise eine Stunde nur mit 60 Minuten und den Tag bloß mit 24 Stunden erschaffen hat. Aber alleine dieser Beschwerdebrief würde so viel Zeit verschlingen, dass es den Aufwand nicht lohnt. Andererseits, man soll einen lohnenden lawsuit nie von der Bettkante stoßen.

Ich habe so wenig Zeit, dass mir zwischen den Terminen oft nicht einmal Zeit zum Luftholen bleibt. Ja, ich habe so wenig Zeit, dass mir nicht einmal Zeit bleibt, um auf die Uhr zu schauen, wie viel Zeit mir noch bleibt. Ich habe in der Tat so wenig Zeit, dass ich noch nie in meinem Leben in ein Uhrenfachgeschäft gegangen bin, um mir eine Seiko Quarz aus der Edition Swarovski (Griffini-Prasser) zu kaufen. Und diese danach in einem Anfall von Erleuchtung wutentbrannt zu zertreten.

Mein Zeitbudget ist so begrenzt, dass ich begonnen habe, freie Sekunden in meinem iPhone-Kalender einzutragen. Und weil es dort keinen Sekundeneintrag gibt, habe ich eine Klage gegen aPple eingebracht, für die ich natürlich keine Zeit habe. Aber daran sind wiederum nur aPple und das iPhone schuld. Stunden scheiße ich täglich damit herum. Stunden, die ich nicht habe!!!

Ich habe so wenig Zeit, dass ich nicht einmal Zeit habe, diesen Satz hier hinzuschreiben. Ich habe ihn nur, hastend von einem Termin zum nächsten, flüchtig und atemlos gedacht, dann ist er mir aus dem Kopf gefallen, und irgendein arbeitsunwilliger, sozialschmarotzender Freizeitimperialist hat ihn aufgeklaubt und abgeschrieben.

Ich gehe noch weiter und behaupte: Jeder Mensch, der Zeit zum Luftholen hat, der nicht pro Tag Termine für 25 Arbeitsstunden hat, ist ein kläglicher Versager, ein Pausendoodle, ein SebastianguckindieLuft, ein Wirtschaftsparasit, ein Sozialschädling der übelsten Sorte. Aber natürlich habe ich keine Zeit, diesen Gedanken bis zu seinem faschistischen Ende zu denken.

Aber wenigstens habe ich gerade Ihnen ein paar Minuten Ihrer Zeit geklaut. Das beruhigt eigentlich doch ungemein. Denn … ihre Zeit möchte ich haben.

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