Looking for Homor

voyeuristic 400Pedro P. hat seinen Homor verloren. Entsetzt wachte er heute Morgen auf, blickte überall umher, aber er fand ihn einfach nicht. Pedro wusste genau: Ohne Homor kann man den Tag nicht überstehen. Panisch begann er unter dem Sofakissen, der Zuckerdose oder dem Dreckwäschehaufen vor der Waschmaschine zu suchen. Aber ein Homor ist nichts, was man verlegt wie eineiige Socken.

Pedro suchte dennoch weiter. In der Küchenkredenz, unter dem Sofatisch. Aber der Homor war nirgends zu finden. Er schlug die Tageszeitung auf, las die Schlagzeilen: „Exklusiv: Nackte Kindfrau mit Katze im Arsch! Außerdem: Soll man Mehl zum Backen sieben?“ Pedro schlug die Zeitung mürrisch wieder zu. Auch hier war der Homor nicht.

Pedro blickte auf seinen Gehaltszettel und … wieder nichts! Kein Homor zu finden. Tschuldigung … Allmählich reichte es Pedro. Er überlegte sich ernsthaft, einen Brief zu schreiben … Tschuldigung, darf ich hier kurz unterbrechen … Pedro wusste noch nicht, an wen, aber … Ich unterbreche wirklich ungern, aber …
Ja, was ist denn!?
Tschuldigung, ich wollte nur sagen …
Ja?
Ich bin die vergessene Pointe aus dem letzten Beitrag.
Was denn? Welche Pointe? Es gab keine Pointe im letzten Beitrag.
Ja, eben. Hier bin ich. Ich habe mich verirrt. 
Was heißt hier verirrt?! Eine Pointe, die nicht existiert, kann sich nicht verirren: Sie existiert nicht!
Ich aber doch!
Trotzig auch noch sein, wie?!
Bitte, ich kann ja wieder gehen.
Ja, gut, hau ab, verschwinde aus diesem Beitrag!
Ja, aber, es ist nur so …
Was ist denn noch?!
Ich wäre so gerne …
Was?
Ich wäre so gerne die Pointe in einem Sebastian-Kurz-Witz.
Geh bitte, Sebastian-Kurz-Witze sind out! Schnee von Gestern. Absolut laaaangweilig. Keine Sau interessiert sich mehr für diesen Typen!
Aber er ist doch noch Staatssekretär …
Und?
Na, wenn er wieder ein Interview gibt? Irgendwas Blödes sagt?
Was? Hat er etwa schon etwas Vernünftiges gesagt?
Nein, aber ich meine nur.
Ja, bitte, das kennen wir schon. Eine Pointe mit Meinung. So weit kommt’s noch.
Ich könnte auch eine Pointe in einem Spindelegger-Witz sein.
Ja, ja, eine spindeldürre Pointe vielleicht.
Der war schlecht.
Ja, aber es war eine Pointe. Deine Pointe! Begnüg dich damit! Das Leben ist nun mal unfair.
Nein, diese Pointe bin ich nicht. Das reicht mir nicht. Ich will eine gute, ein richtig knallige Pointe sein.
Hör mal, um eine gute Pointe zu werden, braucht es mehr als nur Humor, es braucht …
Ja?
Na, es braucht Homor.
Simpson?
Nein, Homor! H. O. M. O. R.
Also wie Humor, nur mit einem O.
Wenn Du es darauf runterbrechen willst.
Also ich weiß auch nicht, wo soll denn da der Witz sein?
Typisch Pointe! Ihr Pointen müsst immer alles irgendwie kleiner machen, oder? Stets bereit für ein billigen Lacher, der die Dinge in den Dreck zieht, sie klein und mickrig macht.
Kurz irgendwie.
Der war schlecht! Der war echt schlecht.
Du kannst mich ruhig beleidigen. Mach nur. Wie du meinst. Aber ohne mich kriegst du diesen Text hier nie fertig … ohne mich hast du einfach keinen guten Ausstieg.
Was? Wie meinen? Du glaubst echt, ich brauche Dich, um diesen Scheißtext fertig zu kriegen. Hör mal zu, Du kleine Pointenfotze! Ich brauche Dich nicht, niemand braucht Dich! Genau das unterscheidet Homor von Humor. Homor braucht keine Pointe.  Homor scheißt auf Pointen. Homor darf alles, kann alles, macht alles.
Ein Schweinchen, das alles macht.
Klappe, du Arsch! KLAPPE, DU ARSCH! HALTE DEINE GOTTVERDAMMTE SCHEISSKLAPPE!
Echt, Witze. Wenn sie nicht lustig sind, glauben sie, dass es mit ein wenig Lautstärke oder Drastik noch richten können.
RAUS! RAUS AUS MEINEM TEXT! VERPISS DICH! HAU AB, DU VERHURTE DRECKSARSCHSAUPOINTE! WIXGESICHT! ARSCHWITZ!










Das ist aber jetzt kein witziges Ende.
Mir wurscht! Abflug!
Mit mir wäre es besser geworden.
Ich fass es nicht, dass Du immer noch in meinen Text reinscheißt …
Ich will ja nur helfen.
Wegen Dir Arsch ist dieser Text viel zu lange geworden. Glaubst Du, dass den noch irgendwer liest? Ich meine, wo sind wir denn hier, verdammt? Im verfickten Internet, oder? Nicht im Feuilleton der Züricher Zeitung! Nicht in einer verschissenen Wochenendbeilage! Drei Sätze, dann ist Schluss! Mehr geht einfach nicht.
Na, komm, schau Dir mal die anderen Beiträge hier an. Alle viel zu lang.
Ich fang jetzt nicht mit Dir zu diskutieren an.
Schade.
Jetzt schmoll hier nicht auch noch herum … aber sag’ mal, bist Du eigentlich ein Junge oder ein Mädchen?
Wieso fragst Du?
Nur so.
Ich weiß auch nicht. Diese Frage hab’ ich mir noch nie gestellt.
Du könntest ja mal den Fummel ausziehen. Dann wissen wir es.
Meinst Du echt?
Ja, ja, mach schon … ja, so ist’s gut … aber Hey, Wow, da sind ja richtige, Du meine Güte … ja, leck mich doch …
Was machst Du denn da?
Na, komm schon, hab’ Dich nicht so …
Oh, Gott … Nein!
Oh, Baby, gottverdammt …
Oh, Nein …
Oh doch!
Oh, Nein!
Oh doch …
Nein.
Doch.
Nein.
Dooohohoaarghhh!




Pfff … jetzt ist mir leichter. Willst Du auch eine Zigarette?
Ja, gerne. Aber sag’ mal, was ist eigentlich aus dem Anfang geworden?
Dem Anfang?
Na da oben, dieser Text mit Pedro und so.
Ach Gott, der war eh nicht auszuhalten.
Na, dann ist’s ja gut.
Ja, jetzt ist alles fein.

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