Hautu bikahm totälli inäfischänt!

drawfunction 240Es scheint kein Weg daran vorbei zu führen, die Serie von guten und ganz besonders guten Lebenstipps und Ratschlägen reißt nicht ab. Es wird uns wohl nichts übrig bleiben als früher oder später den Weg allen Mainstreams zu gehen und den großen Hydra-Lebensratgeber: Part II („Wie kriege ich das Weltall in ein Stück Zucker?“) zu machen. Vorerst aber eine weitere kleine Lektion, destilliert  aus dem alltäglichen Wahnsinn in der Hydra-Chefküche* und sonstwo: Wie werde ich total ineffizient?!

Erstens: Warte stets auf den Applaus!
Du hast eine zündende Idee. Gut so! Aber es wäre völlig falsch, auf dein eigenes Urteil zu vertrauen, das könnte glatt noch zu einem akuten Anfall von Eigeninitiative führen. Schreib ein Mail an deine Freunde, Kollegen, Mitstreiter. Da 70 Prozent aller Mails routinemäßig nicht beantwortet werden, kannst du mit einem gemächlichen Versickern deiner Idee im Nirwana des Konjunktivs rechnen. (Und sollte irgendeine Kritik kommen, dann lass Dich selbstverständlich sofort entmutigen.)

Zweitens: Fokussiere Dich nie auf eine Sache!
Du arbeitest an einem Projekt (z.B. ein revolutionäres, soziales Implosionstool), und wie alle engagierten Vorhaben hat auch das seine mühsamen Seiten. Hör sofort auf, wenn es mühsam wird! Fang stattdessen irgendetwas anderes an, was sich gerade anbietet. Und hör dann wieder auf, wenn es mühsam wird usw. Du weißt, wie es weitergeht. Herrlich uferlos.

Drittens: Mach es nie selbst!
Ein ganz wichtiger Punkt. Du hast die Ideen, die anderen sollen sie umsetzen. Funktioniert immer, also genauer gesagt: funktioniert nie. Warum sollte irgendjemand die kümmerlichen Ausdünstungen deines Kreativorgans umsetzen? Schließlich hat jeder ein Recht darauf, sich nur für die eigenen Ideen zu begeistern. Frag dich selbst: Würdest Du für die Ideen eines anderen auch nur einen Finger krumm machen? (Wie? Du bist der Auffassung, Du wärst absolut genial und überdies: Du hast ja schon so viel geleistet für die Sache! Sorry, das denken ohnehin alle.)

Viertens: Erledige Deine Aufgaben immer nur bruchstückhaft!
Ein Königsweg zur absoluten Ineffizienz! Nehmen wir ein Beispiel. Du hast den Auftrag eine Location für eine königliche Hochzeit zu checken. Also schlägst Du in einem Mail mal ein Quartier vor. Dann beginnst Du launig mit deinen Freunden, Kollegen, Mitstreitern über die Vor- und Nachteile des Quartiers zu plaudern. Irgendwann (nach ca. sieben Mails) kommt die Frage auf, wer sich eigentlich drum kümmern soll. Heissa! Wieder Stoff für ein halbes Dutzend Mails. Schließlich kommt jemand zufällig drauf, dass die Location viel zu teuer ist, worauf man eigentlich schon nach drei Klicks kommen hätte können. Schade! Jetzt kann man sich keine launigen E-Mails mehr schicken.

Fünftens: Denk nie pragmatisch! Nie!
Bleiben wir bei dem allseits beliebten Location-Beispiel. Also es gäbe da schon ein paar Locations für eine königliche Hochzeit, aber wie es eben so ist, nichts im Leben ist perfekt. Einmal ist der Palast zu groß, das andere mal gibt es zu wenige Parkplätze für die 300 dreiachsigen Rolls Royce Limousinen oder das Catering hat einen schlechten Ruf. Geh jetzt bloß keine Kompromisse ein! Du besorgst dir eine Liste mit 5.632 Palästen in ganz Europa und rufst alle der Reihe nach an. Die 2.347 Paläste, die eventuell zusagen, besuchst Du dann. Bleiben am Ende 731 Paläste übrig. Zu diesem Zeitpunkt schreiben wir das Jahr 2014, die Hochzeit wäre allerdings übernächste Woche. Aber Hey, du hast wahnsinnig viel Zeit für diese „Lösung“ durch das große Arschloch der Ineffizienz geschissen. Gut so!

Sechstens: Erst Tippen, dann Denken!
Der elementarste Rat ganz zum Schluss. Warum erst gründlich über etwas nachdenken oder gar ein paar Freunde, Kollegen, Mitstreiter anrufen? Schreib sofort hin, was Du Dir denkst. Wofür gibt es Mails?! Sicher, vor 20 Jahren wäre das ein bisschen anders gelaufen. Stell Dir vor, Du hast eine Idee, kritzelst sie auf einen Wisch, steckst ihn in ein Kuvert, schreibst eine Adresse drauf, kaufst eine Marke, frankierst das Teil, gehst zum Postkasten. Dann wartest Du drei Tage, mit etwas Glück erhältst Du eine Woche später eine schriftliche Antwort. Zum Beispiel: „Bist Du absolut bescheuert, mir deswegen einen Brief zu schreiben?! Hättest Du nicht anrufen können, Du Arsch?!!!“ Zum Glück sind diese dunklen Zeiten lange vorbei. Vorher nachdenken, dann tippen ist total 1987, igitti!

So! Probiert das mal aus, im Job, in Beziehungen, bei Freunden, am dreimal gefickten Arsch der Welt … ihr werdet sehen, es funktioniert immer. Und wenn nicht, bei uns ist immer ein Plätzchen für Euch frei. Denn vergesst nie unser geheimes Motto: „HYDRA: Wider den neoliberalen Effizienzfetisch!“**

* Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen, Hirntoten oder biosynthetischen Avataren sind unbeabsichtigt und keinesfalls intendiert.
** Okay, das ist nicht unser geheimes Motto. Sonst wäre es ja nicht geheim. Überweist uns 100 Euro auf unser Konto, dann verraten wir Euch das echte und wahre Geheimmotto der Hydra. Ohne Scheiß jetzt.

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