die goldene klobürste

die goldene klobürsteLetztendlich läuft alles auf eine goldene Klobürste hinaus. Ich meine, das ist die letzte Bastion, die endgültige Gewissheit. Man ist entweder ein Typ für goldene Klobürsten oder man ist es nicht. So einfach ist das. Die goldene Klobürste ist der Beweis für Gottes Inexistenz. Weil es Typen gibt, die sich am Ende auch noch eine goldene Klobürste anschaffen, die sich das nicht nur leisten können, sondern die das einfach können, weil es möglich ist … dann ist alles aus. Eine Welt, in der goldene Klobürsten existieren, in so einer Welt ist kein Platz für einen Gott … nicht einmal als Kloputzfrau aus Ecuador oder Mazedonien. Nein, keine Chance!

Ich meine, gottverdammt, da hat man sich also die Villa ausstaffiert mit Stuck und Marmor, kleine Cupidorotznasen tanzen um die Garageneinfahrt herum, im Keller das Dampfbad mit angeschlossenem Sportbecken und natürlich ist der ostseitige Wintergarten nicht bloß mit ausfahrbaren Markisen ausgestattet, nein, das Scheißding lässt sich auf 300 Quadratmeter aufblasen! Hat hier jemand was von einem Gärtner gesagt? Ein Scheißgärtnerzinshaus und ein Scheißputzfrauendiensthaus und ein Scheißchauffeurdiensthaus stehen auch noch auf dem Grundstück. Und in der Villa hängen die Gauguins neben den Chaissacs, und die Van Goghs neben den Klees, und ein verfickter Liechtenstein sowieso. Um am Klo schließlich, weil man ja nicht einfach so in einem ästhetischen Nirvana kacken kann, am Klo findet sich die verfickte, die goldene Klobürste.

So ist das. Man muss sie nicht haben, um ein goldener Klobürstentyp zu sein. Es reicht, sie haben zu wollen. Darum teilt sich die Menschheit in zwei Kategorien ein. Die mit und die ohne. Die, die wollen, und die anderen … das wurde uns nur zu deutlich bewusst, als wir unlängst vor diesem Riesenhaufen Scheiße standen … wir, das waren Zirkowitsch und Klug, Pampfinger und Sofinger, Ramm und dieser Kellner (hab’ jetzt vergessen wie der hieß), außerdem der heilige Andreas mit seinem Bart, und all die anderen, auch die hübschen Mädels, na, ihr wisst schon, die Clique eben, das Rudel, die Panzerknackerbande … gemeinsam standen wir also vor diesem riesengroßen Haufen aus Scheiße … Mann, war der riesig! Dieser Haufen war so groß, ich fass’ es gar nicht, ist kaum zu beschreiben, man konnte nicht einmal diese Scheißsonnenfinsternis sehen, so groß war der! Und auf jedem Häufchen Scheiße stand ein kleines Zettelchen mit dem Titel: „Mein Vorsatz für das Jahr 2011!“

Lange Zeit waren wir ratlos, standen wir einfach belämmert da, überfordert von diesem Augenblick, wie bei unserer ersten Butterfahrt, ihr wisst schon … das ist, wenn Burschen zu Männern und Mädchen zu heißen Bräuten werden. Wir waren wie paralysiert. Aber dann ging einer los, schwenkte seine Klobürste und sagte: „Es hilft nichts, da müssen wir durch. Diese Scheiße muss weg. Wollen wir uns das ganze Jahr über tyrannisieren lassen von diesem Kult, dass irgendetwas passieren muss? Dass wir irgendetwas zu vollbringen haben! Diese Erfolgstress-Businessclass-Zampano-Arschfick-Geschichte? Ich frage Euch!“

Ja, er fragte uns. Und er hatte natürlich recht. Wollen wir uns davon tyrannisieren lassen? Nur weil wir Scheiß-Euro-Payer sind? Wollen wir uns das bieten lassen? Wollen wir das mit uns machen lassen? Nein, wollen wir nicht. Denn wir müssen nichts. Wir müssen gar nichts. Wir dürfen einfach nur … so sein, wie wir sind. Keine verfickten Vorsätze! Keine Pläne! Keine Vorhaben!

Aber dann sah ich, dass einer der Jungs seine Klobürste nicht heben wollte. Er drückste ständig damit herum, hielt sie hinter seinem Rücken versteckt. Ich sah noch mal hin. Und da leck mich doch am Arsch, sie war aus Gold! Aus purem Gold! Nicht zu fassen! In den eigenen Reihen! Satire aus Gold! Das geht einfach nicht an! Das darf nicht sein! Aber … es half nichts … so ist es geschehen … wir müssen einsehen, dass die goldene Klobürste eine Tatsache ist. Vielleicht sogar die Tatsache schlechthin. Denkt daran, wenn Ihr das nächste Mal eine Klobürste kauft … überlegt Euch … nehmt Ihr wirklich nur irgendeine, die billigste  womöglich? Oder wollt Ihr etwa auch, dass sie zu Eurem schönen Scheißhaus passt? Und wenn ja, dann wisst Ihr immerhin, wo Ihr steht … und vielleicht sogar, was Euch 2011 erwartet.

Nur das Beste für 2011 (und eine goldene Klobürste), wünscht Euch
Eva Kiel

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