Obermackersülze

megan cassirer 300Heute machen wir einen kleinen Abstecher zurück zu den Griechen und sehen uns anhand eines fiktiven Beispiels (mhm) den sokratischen Dialog an – so, wie er wirklich war!

 Sokrates: So, komm mal her Anaximander, lass’ dich ansehen. Oh, ein sehr schöner Körper, Donnerlittchen, was für ein Prachtbursche!

Anaximander: (bohrt in der Nase)

Sokrates: Na gut, mein Junge, ich werde dir heute etwas über Ernst Cassirer erzählen.

Anaximander: Nie jehört von.

Sokrates: Klar, aber von wem hast du schon mal gehört, mein Jüngelchen. Scheinst ja nicht der Hellste zu sein, aber ein lecker Körper, das muss ich zugeben.

Anaximander: Muddern sachte, ick soll dat hier mache.

Sokrates: Du klingst auch verdammt deutsch für einen Griechen, nicht?

Anaximander: Mach mal halblang, ick komme aus Ostathen, dort wächst uns der Schnabel nun mal so.

Sokrates: Gut, gut, bloß nicht aufregen! Also Ernst Cassirer, da liegst du gar nicht falsch, das war tatsächlich nicht gerade einer der berühmtesten Philosophen.

Anaximander: Warum muss ick mir den Schrott dann reinziehen?

Sokrates: Weil Ruhm und Erfolg nicht das Alpha und Omega in der Philosophie sind. Ernst Cassirer war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der vollendetsten und humanistischsten Philosophen überhaupt, ein Universalgelehrter genauso wie eine Integrationsfigur. Er hat Philosophie als knochentrockene Erkenntnistheorie betrieben (ist dabei aber eher in den Problemen seiner Zeit stecken geblieben) und er hat Bücher geschrieben, die uns zu besseren Menschen machen sollen.

Anaximander: Aber diese Bücher hat keine Sau jelesen, nisch? Also ist das irjendwie Bockwurst mit Klößchen …

Sokrates: Ostathen, sagst du? Tatsächlich … Mit dieser Nur-der-Erfolg-zählt-Maxime gibst du eigentlich einen ganz prächtigen Wirtschaftsnazi ab, diese Typen, die ab dem Ende des 20. Jahrhunderts alles in der Dreck gezogen haben, was nur annähernd wichtig und …

Anaximander: Mach mal halblang, Alder … hab’ keenen Bock auf diese Obermackersülze!

Sokrates: Na gut, Junge, nur weil mich dein Bizeps gar so anlacht. Also. Ernst Cassirer ist in der Philosophie vor allem durch seine „Philosophie der symbolischen Formen“ bekannt, aber als seine größte, als seine bewundernswerteste Leistung sehe ich das Buch „Der Mythos vom Staat“. Hier hat er seine Philosophie der symbolischen Formen auf die geistesgeschichtlichen Wurzeln der Politik übertragen. Das Buch schrieb er kurz vor seinem Tod 1945 im Exil …

Anaximander: Was’n ein Äxyl?

Sokrates: Oh, Bagger! Weißt du was Nazis sind? Hirnlose Ochsen, die völlig mit Scheiße überzogen sind, braune Kacke also. Doof und intellektuellenfeindlich, so wie du in etwa. Und wenn die an der Macht sind, ekeln sie alle halbwegs vernünftigen Menschen aus dem Land hinaus. Das nennt man Exil.

Anaximander: Aha.

Sokrates: Überanstreng dich nicht, Junge. Cassirer war einer der wenigen Intellektuellen aus Deutschland, der nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag gewartet hat, um sich mit der Nazischeiße auseinanderzusetzen, sondern er schrieb eben „Der Mythos vom Staat“. Darin untersucht er die geistigen Grundlagen der braunen Kacke und kommt zu dem Schluss, dass dieser geistige Niedergang weniger mit Nietzsche zu tun hat, sondern unter anderem mit der Heldenverehrung eines Robert Carlyle und, ganz wichtig, mit dem deutschen Idealismus, insbesondere mit Hegel. Das ist deswegen wichtig, weil Marx ja ein Schüler Hegels war und viele linken Philosophen sich weigerten anzuerkennen, dass man Hegel eben auch totalitär, wenn nicht gar faschistisch deuten kann. Die prügelten alle viel lieber auf Nietzsche herum …

Anaximander: (schnarcht)

Sokrates: Ja, okay, gut, reißt dich nicht vom Hocker, sehe ich ein, Kleiner. Aber uns wahren Philosophen, uns geht bei dieser Geschichte öfter mal einer ab. Und ich muss dir ehrlich sagen, nur Muskeln allein, bei allem öligen Glanz, sind irgendwie auch nicht die ganze Erotik. Also trab lieber mal wieder ab zu Muddern, die soll sich ihren Bildungsscheck sonst wohin schieben.

Anaximander: (erwachend) Hm, wie meinen? Haste ne Kippe, Alder? Oder kommt jetzt noch nicht der Teil, wo ich dir den Schwanz lutschen muss.

Sokrates: (seufzt). Na gut. Okay. Ausnahmsweise.

Was kann uns dieser kleine Dialog heute noch mit auf den Weg geben?
Ene mene Möhrchen, ich hab’ zwei kleine Öhrchen. Nein, im Ernst. Lest doch hin und wieder ein kluges Büchlein. Hm. Wie wäre das? Aber natürlich erst, nachdem ihr euren Körper richtig schön fit trainiert habt. Und ölig muss er in der Sonne glänzen. Sonst macht das alles keinen Sinn. Die Philosophie nicht. Und die Nazischeiße auch nicht.

In der nächsten Folge begleiten wir den Urgroßonkel von Marion Helga auf seiner Reise nach Memphis, Tennessee.

1 Comment
  • Mazirki

    19. September 2010 at 08:14

    Huiuiui, gefällt mir! Schönes Fort, das.