Knarrende Stühle, blutrot gepolstert

slash ff 300Wien– Das „Slash Filmfestival“ (23.-30-9., Filmcasino Wien) zeigt erstmals in Wien Splatterfilme im Zwischenreich von Trash und Kunst. Von Endzeitthriller bis zum Horroshocker ist alles vertreten, was blutüberströmtes Zelluloid und eine gellende Tonspur hat. Hydra hat für Euch die Filme vorab in den schluddrigsten Kinos der Welt besucht.

Nehmen wir etwa „Tucker & Dale vs Evil“ von Eli Craig (2010). Für diesen Film könnte Michelangelo Antonows berühmter Filmklassiker „Blow Job“ Pate gestanden haben, wäre der Film nicht gerade bei einem Date im Rotlichtviertel gewesen. Craig versammelt eine Handvoll US-amerikanische Teenagegören in einem Hinterwald und metzelt sie im Laufe einer inexistenten Filmhandlung genüsslich dahin. Bislang wurde „Tucker & Dale …“ nur im Hollywood Theatre von Toronto gezeigt. In diesem heruntergekommenen Arthouse-Schuppen knarren die blutrot gepolsterten Stühle, während der Feinstaub leise von der Decke rieselt. Ob dieser heimeligen Gemütlichkeit der definitive Frauenfilm des Festivals.

“Ghosts … of the Civil Dead“ von John Hillcoat  (1988) wiederum ist ein Film, zu dem Nicolas Cage die Filmmusik geschrieben hat. Nicolas Cage ist übrigens demnächst mit seiner Bubenband „Grinderdog“ in Wien zu sehen. Über „Ghosts“ selbst gibt es wenig zu erzählen, der Film ist heute so stinklangweilig wie 1988, Kunststück, geht es doch um ein Hochsicherheitsgefängnis. In eben solchen wird der Film übrigens meistens gezeigt. Dort sind die Sitze nicht gepolstert, aber die Klappstühle knarren dennoch unerträglich, außerdem kann man nichts hören, wegen den markerschütternden Schreien, die permanent aus den Duschen kommen.

„Tetsuo: The Bullet Man“ von Shinya Tsukamoto (2009) ist der dritte Film desselben Regisseurs zum selben Thema mit demselben Titel und müsste eigentlich „Testuo: Nicht schon wieder!“ heißen. Völlig unverständlicherweise hat bis heute nur der erste Teil dieser eineiigen Trilogie Kultstatus. Tatsache ist:  Ernst, Teil 1 und 3 sind Schrott, erträglich ist nur der zweite Teil, insbesondere die Szene, in der ein durchgeknallter Wissenschaftler seine Ehefrau vor den Augen des Kindes mit einem Revolver nötigt. Gezeigt werden Filme dieser Art hauptsächlich in Tokiotischen Spielehallen als Hintergrundberieselung. Im Vordergrund spielen japanische Kids „Super Mario Zombiesquad VII: Death to Peaches“.  

Der definitive Geheimtipp des Filmes ist allerdings „Walhalla Rising“ von Nicolas Winding Refn (sic!). In Walhalla Rising geht es um einen Wikinger (nicht Wickie) und eine kahle Landschaft (nicht Flake). Irgendwann kriegt der Wikinger eine aufs Maul, großes Gebrüll hebt an, die Kamera zoomt über klirrend kalte Berggipfel. Ein Gefühl von Erhabenheit stellt sich ein und man überlegt sich heimlich, vielleicht doch wieder ein Buch von Slavoj Zizek zu lesen. Gezeigt wurde „Walhalla Rising“ bislang nur in Nordnorwegischen Freiluftkinos. Drei Kritiker sind beim Versuch, eine Kritik für den Film zu schreiben, erfroren.

Für Hydra berichtete Filmaficionado Curt Cuisine.
Den Beweis, dass nichts an diesem Artikel erstunken und erlogen ist, gibt es hier: http://slashfilmfestival.com/

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