dank der denke!

strache rmx 300Bei Anna H. Horacek hat sich ein Denken eingeschlichen. Das ist jetzt kein Scheiß. Das ist ernst. Und Anna H. Horacek ist nicht irgendwer. Sie lebt mitten unter uns. Sie ist uns nicht fremd. Das gilt vielleicht umgekehrt genauso. Trotzdem hat sich bei ihr ein Denken, eine „Denke“ sogar eingeschlichen. Auf tapsigen Füßen. Wie ein Dieb in der Nacht. Wie ein Politiker in einen Unterausschuss. Wie ein Manager an seine Abfindungsprämie ran.

Diese Denke nämlich, dass die Ausländer eine Bedrohung sind. Dass sie zum Fürchten sind. Dass man sie ruhig einkasernieren solle. Einfach so. Dass sie an allem schuld sind überdies. Eingeschlichen. Hinterrücks.

Vielleicht war die Wohnungstür einen Spalt offen, weil Anna H. Horacek die Morgenzeitung geholt hat (die mit den Titten auf Seite 5), oder sie hat etwas zu lange in den Flur gelauscht, um zu hören, wer da gerade mit wem streitet. Weil das ja immer sehr interessant ist. Da muss es wohl passiert sein. Die Denke kam über die Treppe, tastete sich mit flüsternden Füßchen den Flur entlang, und husch, schlich sie sich wie ein … na, das hatten wir schon … schon war sie jedenfalls in der Wohnung.

Aber Anna H. Horacek hat sie nicht gleich bemerkt die Denke. Sie saß gerade noch am Frühstückstisch, schlürfte einen heißen Kaffee, mampfte Kipferl mit fein passierter Erdbeermarmelade. Und wie sie da die Zeitung las und sich nichts dabei dachte (sondern würde sie ja keine österreichische Zeitung lesen, sondern täglich viel Klopapier sparen), da kam die Denke von hinten heran.

„Da les ich gerade noch die Zeitung, auf einmal klopft was in meinem Kopf, und ich denke mir: ‚Ja, hallo! Von wo kommt denn auf einmal diese Denke her?’“ Sagt Anna H. Horacek. Gesteht sie. Gibt es zu. Sie hat diese ausländerfeindliche Denke einfach nicht bemerkt. Hat sie einfach zugelassen. Und jetzt sitzt sie da und denkt: „Diese Gfraster ghörn alle einkaserniert, an ihren Genitalien aufgehängt, unter Elektroschocks zu einer sofortigen Umkehr gezwungen, in Viehwaggons abtransportiert, notfalls einfach am Straßenrand exekutiert mit sauberen Schüssen in den Hinterkopf. Weg damit! Weg, weg, weg!“

Aber dann denkt sie: „Schon arg, dass ich so was denke. Darf ich denn das? Ist das richtig? Sollte ich nicht was anderes denken?“

Schwere Fragen für Anna H. Horacek. So eine Denke, die kommt natürlich nicht von ungefähr. Irgendwo ist diese Denke entstanden, hat sie jemand mal gedacht, dann nicht aufgepasst, und so ist sie ihm einfach aus dem Kopf gepurzelt. Auch da war irgendeine Tür offen (meistens entkommt so eine Denke nämlich durch den Hosenschlitz beim Rauschauspinkeln). Und jetzt pirscht sie durch die Gassen und schaut, ob sie irgendeinen Kopf findet, der gerade nicht aufpasst. Und dann schleicht sie sich ein. Diese Denke. 

Anna H. Horacek ist verwirrt. Was tun jetzt mit dieser Denke? Sie trinkt noch einen Schluck Kaffee. Liest weiter in der Zeitung. „Na so was. Da hat diese Schauspielerin mal in einem Porno mitgespielt. Na so was. Da lag eine Oma vier Tage lang tot in der Badewanne. Na endlich. Rapid kann doch noch siegen.“ Schon ist sie weg die Denke. Und eine ganz andere Denke ist da. „Mhm, viel besser“, denkt Anna H. Horacek.

So ist das mit der Denke. Man muss einfach nur nicht daran denken. Dann geht sie ganz von selber weg. Aus dem Kopf. Aber da ist sie trotzdem.

Eva Kiel,
möchte sich hiermit in aller Form entschuldigen, dass in diesem Text kein einziger Witz enthalten ist, nicht einmal ein mickriger Running Gag, nichts davon. Und nein, jetzt kommt auch keiner mehr.

1 Comment
  • peterska

    29. September 2010 at 01:21

    „(…) (meistens entkommt so eine Denke nämlich durch den Hosenschlitz beim Rauschauspinkeln). Und jetzt pirscht sie durch die Gassen und (…)“

    …und jetzt bischt sie durch die gassen. dann wäre, verehrte frau kiel, auch ein kleiner witz drin.