975 Meter!

matrattel k2Herr Hammer war nicht am Gaisstein. Nicht ganz zumindest. Und auch Christian Stangl war gar nicht am K2. Der Mann, den sie auch „nicht einmal eine Fußnote in der alpinen Geschichte“ nennen, hat alles gestanden. Schuld daran ist das berüchtigte Bergsteiger-Burnout. HYDRA hat recherchiert und herausgefunden, dass Stangl und Hammer nicht alleine sind.

Wien – „Wir müssen die Bergsteiger verstehen“, so Univ.-Prof. Erhart Hillery von den Montanuniversität in Leoben, „die unerträgliche Monotonie des Kletterns, die Fadesse einer endlos beeindruckenden Landschaft, der wochenlange Sauerstoffmangel, das immer wiederkehrenden Campieren in viel zu kleinen Zelten, die Frostbeulen auf den Zehen … es ist kein leichtes Leben als Individual-Extrem-Hochalpinist.“ Hillery ist der Experte auf dem Gebiet. Neben seiner Vorlesung „Der metaphorische Reiz von Gletscherspalten“ betreibt er mit der Psychotherapeutin Clara Womann eine Praxis für gefrustete Extremsportler.

„Immer mehr Austeiger wollen austeigen“, bestätigt die Psychotherapeutin. „Der Leistungs- und Erwartungsdruck auf Extremsportler und Gipfelsturmfetischisten hat sich drastisch verstärkt. Viele wollen sich keine Höchstleistungen mehr abringen, wollen nicht mehr um jeden Preis beweisen, dass sie etwas Besonderes sind, respektive etwas Außergewöhnliches vollbringen können.“ Eine kurze Umfrage in einschlägigen Kreisen bestätigte diese Einschätzung. „Ich träume von einem stinknormalen Bürojob“, bestätigte der der vierfache Achttausenderbesteiger, Justilio Rammirez. „Einfach nur grantig jeden Morgen aufstehen, grantig den Kaffee hineinleeren, grantig in der U-Bahn sitzen, grantig im Büro ankommen und den ganzen Tag grantig eine hirnlose Arbeit erledigen, die völlig unter meinen Möglichkeiten ist.“ Rammirez seufzt gedankenverloren.

Aber nicht nur Hochalpinisten sind davon betroffen. Auch Mountainbiker wissen davon ein Liedchen zu singen. Bikerass und Jugendvizeweltmeister Sebastian Trug bestätigt: „Jetzt darf ich es ja endlich sagen: Ich habe nie den Kahlenberg bezwungen, bin immer nur den Flötzersteig rauf und runter gefahren. Mir war das einfach zu stressig. In Wahrheit wäre ich viel lieber eine Maus. Aber nur, wenn endlich jemand die ganzen Mäusefallen aus dem Weg räumen würde.“

Der Erwartungsdruck fordert seine Opfer indes überall. Guiness-Weltrekordler Stefan Garfield, der sich als erster Mensch der Geschichte sieben Stunden hindurch selbstverliebt auf einem Sofa rekelte, gibt zu, dass sein Weltrekord erschummelt war. „Ich bin mehrmals aufgestanden, um mir die Füße zu vertreten. Ich habe diese Monotonie einfach nicht ausgehalten. Ich wäre viel lieber Walkandidat.“ Hillery: „Es ist eine Krankheit, die ein gravierendes Problem in unserer Gesellschaft aufzeigt. Herausforderungen sind öde geworden. Monotonie ist das neue Steckenpferd der Kick-Hedonisten. Aber“, schränkt der Experte ein, „Wale sind auch ganz groß im Kommen. Vor allem beim klassischen Küstenfick.“ +++ schluss +++

Für die Hydra  berichtete: Konrad Gregor

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