Quadratische Burgen auf Rädern

camping matrattel 250Nirgendwo manifestiert sich die zierende geschwungene Linie so eindringlich wie auf dem durchschnittlichen Campingmobil. Was mag ein ehrfürchtiger Betrachter dieser Burgen auf Rädern mit solcherart Ornamentösem assoziieren? Beziehungsweise: was soll er assoziieren? Nur dem Einfältigen werden Gedanken über Hutablagen, Bürokratisierung oder auch dem hier tatsächlich völlig unpassenden Bauhausstil einschießen. Wozu erlebt der junge Mensch eine Sozialisierung, wenn er im Erwachsenenalter etwas dezent bis kokett Angedeutetes brachial falsch misinterpretiert oder einen möglicherweise aufwändig herbeisymbolisierten Bedeutungsreichtum schlichtweg nicht erkennt?

Vermutlich völlig korrekt wird dem Campingmobilbesitzer ein schwungvoller Lebenswandel attestiert. Jedoch wirft dies folgende Frage auf: weswegen muss der hiesige Camper auf die geschwungene Fetzigkeit in Linienform herself zurückgreifen, weswegen, wenn er doch ohnehin als schwunggeschwängerter Zeitgenosse zu reüssieren vermag? Ein schrecklicher Verdacht drängt sich auf: ist der Camper etwa ein recht biederer Zeitgenosse der dies anscheinend nötig hat? Das mag und darf man nicht glauben!! Zu schlimm ist dieser Gedanke. Verwerfen wir ihn alsbald. Also genau jetzt.

Denn immerhin ist bewiesen: der Camper versucht seine Quadratschädeligkeit – welche unzulässigerweise noch immer mit dickköpfiger Sturschädeligkeit gleichgesetzt wird –  nicht zu kaschieren, nein, vielmehr unterstreicht er jene durch geschicktes Arrangieren diverser quadratischer Objekte (wie z.B. Campingbus, Campingtisch) um in einem Viereckigkeitsoutburst der Welt sein Rockability mitzuteilen. Der Camper als Vorantreiber der fortgeschrittenen Selbstironisierung. Ebenfalls kann beobachtet werden, wie der von bösen großstädtischen Meinungsmachern unterstellten Kleinkariertheit von Seiten der Camper begegnet wird: durch konsequentes Aufkaufen und Zurschaustellen von gut zwei Drittel der jährlich global verfügbaren karierten Stoffe nämlich; sei es als ausklappbare Pergolen am Campingmobil, oder auch als Überbezug für den campingbuseneigenen Zwergpinscherpolster. Farblich lassen sich die Ausgegrenzten hier keineswegs einschränken, oh nein! Von den drei Primärfarben wird beinahe jede mit großer Begeisterung ausgewählt, viele davon gelten auch als zwergpinschergeeignet.

Der Camper der sich jeglichem Konformismus auf komfortablem Stuhl entgegensetzt und mit zittriger Stimme und bebendem Oberlippenbart lamentiert: nicht mit mir, ihr Langeweiler!

Gemeinerweise vielfach gescholten: die sexuelle Freizügigkeit der Camper, welche in den gigantischen Gruppenduschanlagen ihren zweifelsohne beachtenswerten Höhe(*hüstel*)punkt erlebt. Die Campingparzellen sind so ultraspartanisch dimensioniert um die Wahrscheinlichkeit des Hautkontaktes mit einem Nachbarn zu erhöhen; körperliche Nähe und Nächstenliebe sind des Campers  Heiligstes. Und wenn er sich beizeiten in seiner kleinen Burg verschanzen mag, dann dies bestimmt nur um Kraft für die nächste Umarmung zu sammeln. Es wäre mindestens ungerecht diese alternativen Lebenskonzepte nicht mindestens zu respektieren, denn schließlich wollen die freundlichen sonnenanbetenden Camper niemandem etwas anhaben (doch Gott gnade dem, der ihnen bei Nacht begegnet!).

Freilich wird dem campingbusaffinen Menschen vielfach auch ein Hang zum improvisierten Leben unterstellt. Diesem wiederum kostet es weniger als ein vor lauter Nichtstuerei extrem müdes Lächeln dies zu widerlegen: man betrachte doch nur die zahlreichen schweineteuren Sonderanfertigungen und Spezialprodukte für Wohnwägen, manche davon bestimmt so exklusiv als hätte hier Bill Gates höchstselbst Hand angelegt und spritzgegossen (keine dummen Bemerkungen), und die schwedische Königin in weiterer Folge sie mit einem Qualitätssiegel versehen; der Camper leistet sich solcherart Exklusives, keine Spur also von Provisorischem!

Wir müssen also erkennen: der Camper ist in jeder Hinsicht unangreifbar, man möge dies auf Immerdar verinnerlichen.

Sebastian Klug, Campingexperte

1 Comment
  • schokospitz

    23. August 2010 at 07:38

    dieser mann nennt sich klug? vom campen keine ahnung, idiot!