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Umschalten! Jetzt!

Posted by on Juni 20th, 2010

fade wm 250Nein, nein und abernein! Ich schreibe keinen Text über die WM. Ich produziere sicher keine Satire über dieses öde Fußballspektakel. Schlimm genug, dass alle abends nur noch ein Ziel haben. Zombies!

Worüber soll man denn schreiben? Man könnte auf den Chauvinismuszug aufspringen und sich über die ganzen edlen und nicht so edlen Wilden auslassen. Oder man (und mit man meine ich mich) könnte über diese Vuvuzelas (ja, ich weiß wie sie heißen. Wie hätte ich diesem Wissen entkommen können?) schreiben: Buhu, die sind so laut und so bunt, buhu! Tja, der Südafrikaner macht halt gerne Krach.

Über die menschliche Regung Krach zu machen, hat sich übrigens der im Gegensatz zu mir sehr gute Satiriker Kurt Tucholsky lustig gemacht: Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.

Was? Wie, ich muss? Na gut…

Hmm, Nordkorea! Was für ein lustiges Land?! Dass die AnalphabetInnenrate bedeutend niedriger ist als sonstwo in Asien (Ausgenommen: China) und das ganze Land immer noch demokratischer als, hmmm, Nepal oder Kirgistan, lass ich besser unter den Tisch fallen. Das lesen die Leute nicht gerne.

Angeblich hat der sympathische Overallträger Kim Ping-Pong ll eintausend Jubelchinesen im Stadion, die zu Nordkorea helfen und zu den Spielen gehen und Wirbel machen (mit Vuvuzelas?). Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass diese Chinesen, die ja ohnehin zu tausenden Gastarbeit in Afrika verrichten, halt aus der Not eine Tugend machen und zur geschwisterlich verbundenen, demokratischen Volksrepublik helfen. Wenn China/Nordkorea (das ist ja mittlerweile synonym) so arg wäre, wäre es doch gefährlich, tausend Menschen einfach ins westliche Paradis ausreisen zu lassen und sie dort den imperialistischen Dämonen Bier, Fantum und Vuvuzela auszusetzen. Die kämen doch nie wieder!

Nein! Ich glaube, dass es sich bei den chinesischen Jubelpersern um Parteimitglieder handelt; oder Parteimitglieder in der Probephase. Oder sie wollen beitreten und das ist ihre Bewährungsprobe.

Was? Wie, das hat nichts mit Fußball zu tun?

Hm, na, dann muss man zumindest anerkennen, dass eine Außenseitermannschaft (ja, das hat nichts mit Politik zu tun) immerhin eine ganze Halbzeit lang Brasilien, der Innenseiternation (Sagt man das so, Kollege Sportredakteur?), ein 0:0 abgetrotzt hat. Aber, mal im Vetrauen, vom Mauern, Dichthalten und Grenzen schließen verstehen sie was, diese Kommunisten und sie würden auch bestimmt Weltmeister, wenn die ganze Werbung am Spielfeldrand sie nicht so verworren würde. Das kennen sie einfach nicht von zuhause (Natürlich gibt es in Nordkorea auch am Spielrand Werbung, aber nicht so viel verschiedene. Und meistens ist es Werbung für Overalls. Oder Overallträger).

Teil 1 unserer dreiteiligen WM-Miniserie: “Umschalten! Jetzt!”

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