Die tote Hand Gottes

philosophie 16 nietzsche 300Friedrich „Diego“ Nietzsche

Friedrich Nietzsche wurde 1844 in den Favelas von Lützen im Sachsenland geboren. Sein Vater war Pfarrer, er starb allerdings früh bei einem Kirchenunfall. Er wurde beim Herabsteigen von der Kanzel von einer 180 Kilogramm schweren Geheimratsgattin überrollt. Für den jungen Nietzsche war dieses Erlebnis dramatisch (er musste jeden Sonntag die Kirche hüten). Früh schon entwickelte darum eine regelrechte Obsession für alles was rund ist.

Im Gymnasium zu Naumburg wurde er in die Schulmannschaft aufgenommen und zeigte bald eine herausragende Begabung zum Goalgetter oder „Goleador“, wie es später heißen wird. Seine manischen Versuche, unentwegt nach dem runden Ding namens Ball zu treten, waren zwar anfangs reichlich ungezügelt und konfus, doch mit Hilfe des Schulmannschaftstrainers Erwin Rohde, der diese frühe Begabung erkannte, gelang es schließlich Nietzsches blinde Wut in unhaltbare Freistöße und Distanzschüsse umzuwandeln. Talentscouts jener Tage, die den jungen Nietzsche am Feld erlebt hatten, sprechen in ihren Biographien von einer Schusskraft wie Dynamit, von Freistößen, die bis zu den Sternen flogen. „Der Mann konnte zwar keinen Zucker, doch aber Fußbälle ins Weltall befördern“, so Trainerlegende Stephane Marteau.

Schließlich engagierte ihn der weltberühmte Fußballtrainer Richard Wagner für seinen damals schon legendären FC Bayreuth. Nietzsche dribbelte sich neben Weltstars wie Franz Lohengrind, Siegfried „Bomber“ Nibelung und Hans Sachs in die erste Riege des internationalen Fußballs. Selbst die berühmte Affäre um das angeblich mit einer Hand erzielte Tor konnte seiner aufstrebenden Karriere nichts anhaben. Den Beinamen „Die Hand Gottes“ tat Nietzsche achselzuckend ab, sein lapidarer Kommentar dazu: „Gott ist tot.“ Angebote aus aller Welt flatterten ein, doch Nietzsche, der einen etwas verkappten Bezug zu seiner Heimat und insbesondere zur deutschen Sprache hatte, lehnte allesamt ab. Ja, er verstieg sich früh in den Irrglauben, dass die Deutschen allein dazu imstande wären, richtig guten Fußball zu spielen.

Es kam zu Zerwürfnissen mit seinem Trainer Wagner, dem Nietzsche vorwarf, das deutsche Wesen nicht richtig zu erkennen. Die „Geburt der Tragödie“ nahm ihren Lauf. Nietzsche wurde hochkantig aus dem FC Bayreuth hinausgeworfen und spielte eine zeitlang bei drittklassigen deutschen Mannschaften wie dem FC Bayern München (für Nietzsche ein Greuel), Werder Bremen (für Nietzsche das Allerletzte) oder dem Hamburger SV (für Nietzsche der Inbegriff alles Bösen). Zunehmend verbittert wurde Nietzsche auf dem Spielfeld bald zu einer einsamen Figur, der von keinem seiner Mitspieler einen Pass erhielt und auch keinen austeilte. Ein Zeitzeuge berichtete: „Was für ein Talent – und zugleich: Was für ein mieser Teamspieler. Wenn er einen guten Tag erwischte, konnte er die komplette gegnerische Mannschaft überspielen und den Ball unhaltbar ins Tor einnetzen. Ein Löwe und ein Adler zugleich. Es gab keinen Ballzauberer wie ihn. Und trotzdem war er als Fußballer unbrauchbar.“

Diese Beobachtung sollte sich als prophetisch erweisen. Nietzsche vereinsamte zusehends und fiel schließlich dem Wahnsinn anheim. Bei einem Kuraufenthalt in Turin brach er zusammen und verbrachte den Rest seines Lebens in Obhut seiner Schwester in einem Weimarer Irrenhaus. Aus dieser Zeit stammte auch eine der wenigen autobiographischen Aufzeichnungen von Nietzsche mit dem Titel: „Warum ich so gut Fußballspielen kann.“

Was kann uns Friedrich Nietzsche heute noch mit auf den Weg geben?
Nun, in erster Linie, dass Fußball ein Mannschaftsport ist. Das ist natürlich eine Weisheit, für die man nicht unbedingt Nietzsche gebraucht hätte. Böse Zungen behaupten allerdings, dies sei eine Aussage, die man auch für die Philosophie geltend machen könnte, andere Zungen lächeln dazu nur (wobei Zungen natürlich nicht lächeln können) und eine Handvoll Zungen schließlich meinen, dass das alles überhaupt nichts mit Philosophie zu tun hat. Was uns betrifft, so würden wir keiner dieser drei Parteien einen Pass zuspielen, sondern selbst auf’s Tor zu laufen. Schließlich ist es endloser Ruhm, der auf uns wartet, oder?

Ihr habt es gleich erkannt, oder? Das war natürlich die XVI. Folge von „Der Tod der Philosophie“. Und nächste Woche tun wir Max einen Gefallen, obwohl wir das gar nicht vorhatten. Ja, es wird um Karl Marx gehen.

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