der club der toten eichhörnchen

philosophie 15 pragma 300Der Pragmatismus
William James verkleidete sich gerne als Eichhörnchen und kletterte so auf Bäume (wie er das mit dem Größenunterschied hinbekam, müsst ihr ihn selbst fragen). Dabei stellte er fest, dass er auf der einen Seite des Baumstammes etwas ganz anderes sah wie auf der anderen Seite*. „Potzblitz!“, dachte James (auf englisch natürlich), „das ist ja wie in der Philosophie! Jeder sieht nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit!“ Diese Beobachtung fand er so toll, dass er nicht nur einen Eichhörnchenklub gründete, sondern auch die Philosophie des Pragmatismus formulierte. Diese sei eine Art Metaphilosophie, wie ein Korridor, der zu den einzelnen Philosophien führt. Alle anderen Philosophien haben auch irgendwie recht, aber da keine vollkommen sei, ist es besser, den Korridor entlang zu spazieren und stets den Überblick zu bewahren.

Klingt irgendwie cool … und irgendwie auch ein wenig feig. Nicht umsonst klingt Pragmatismus ein wenig nach Pragmatisierung. Es hat was von Verwaltung und Beamtentum, aber was James vorschwebte waren nette Beamten. Beamten, die vor allem eines wollten: Das Wohl aller (bzw. möglichst vieler). Wobei diese Idee eigentlich von John Dewey formuliert wurde. Dewey meinte, es sei Aufgabe der Philosophen, sich mit den „sozialen und moralischen Konflikten ihrer eigenen Tage“ zu beschäftigen. Wow! Klingt irgendwie brauchbar, aber das sollte nicht verwundern, denn Dewey war auch ein Sozialpädagoge. Und da sind wir wieder bei den pragmatisierten Verwaltungsbeamten …

Es gab noch einen wichtigen Herren unter den Pragmatisten, nämlich Charles Saunders Peirce. Peirce hatte einen so coolen Namen, dass er sich Zeit seines Lebens fragte, ob Namen und Begriffe nicht eine besondere Bedeutung hätten bzw. ob sich dahinter nicht ein (symbolisches) Prinzip verberge. So kam er auf seine Zeichenlehre, die vor allem in Kunsthochschule und Werbegrafikinternierungslagern für Furore sorgte. Aber innerhalb der Philosophie ist die Zeichenlehre heute eher etwas für Leute, die um keinen Preis wahrhaben wollen, dass mathematische Logik erst fassbar wird, wenn man sie in Begriffe kleidet. „1 + 1 = 2“ ist zwar schön und gut, aber für sich genommen doch irgendwie abstrakt. Außer eben ich verwandle es in eine sinnvolle Aussage, z. B.: „Ich habe dir vorgestern einen Euro geborgt und gestern einen Euro geborgt, also schuldest du mir heute zwei Euro, du Arschgeige!“ Das ist zwar makellose Logik, aber schon geht es wieder los mit den Sprachproblemen. Was heißt gestern, was heißt heute? Was bedeutet schon borgen? Und überhaupt, was ist mit Arschgeige gemeint? Und wen kümmert schon eine lächerliche Schuldenarithmetik, wenn Arschgeige drei große Brüder hat?

Und genau das ist der Punkt der pragmatischen Philosophie. Arschgeige und seine drei Brüder sind eigentlich viel wichtiger für uns, als die Frage, ob Eins und Eins wirklich Zwei ist. Charles Saunders Peirce und seine Zeichenlehre hingegen kann man getrost vergessen (trotzdem ist das natürlich ein sehr schöner Name für einen Philosophen).

Was kann uns der Pragmatismus heute noch mit auf den Weg geben?
Das Coole am Pragmatismus ist natürlich der endgeile Ausweis für den superschlauen Eichhörnchenklub. Mit diesem Ausweis geht es dir wie Tick, Trick und Track bei Fähnlein Fieselschweif, denn du weißt immer eine Gegenfrage, die jede noch so superintellektuelle Nasenbohrerei aus den Angeln hebt. „Und, was bringt das jetzt? Wie macht das die Welt besser?“ Aber das funktioniert natürlich nur bei intellektuellen Arschgeigen. Sobald du an eine/n Sozialarbeiter/in gerätst, ist der Ofen aus. Dann kriegst du nämlich eins auf die Löffel, „weil du dich genauso wenig einbringst und emotional irgendwie total verklemmt wirkst …“. So, und was jetzt? Am besten SozialarbeiterInnen generell aus dem Weg gehen. Aber wussten wir das nicht vorher schon?

Nächste Wochen zünden wir das Dynamit in uns und entdecken, während es uns zerreißt, dass ein ganzes Weltall in uns schlummert. Und dann wachen wir auf … und die Nazis sind an der Macht.

* Also ganz ehrlich? Die Geschichte mit dem Eichhörnchen war ein bisschen komplizierter, aber sie war uns einfach nicht mehr als drei Zeilen wert …

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