die ära der mantarochen

philosophie 12 kant 300Immanuel Kant

Kokosnüsse und Mantarochen sind zwei Begriffe, die im Werk von Immanuel Kant nicht vorkommen. Das ist schade. Um wieviel erträglicher wären manche seiner elendslangen Abhandlungen, wenn da auch ein Mantarochen vorkommen würde. Stellt euch das vor! Die „Kritik des gemeinen Mantarochens.“ Oder: Die „Metaphysik der Kokosnuss.“ Dazu Immanuel Kant als Haschisch paffender Tahitianer, der mit Palmenblätter bekleidet an einem Sandstrand lungert und versucht, mit zwei, drei Sätzen eine Lebensphilosophie hinzukriegen, die ebenso elegant wie relaxt klingt, die aber im Grunde nichts weiter besagen soll als: Genauso wie mir das Leben Spaß macht, genauso funktioniert die Welt.

Aber wie gesagt: Mantarochen waren Kants Sache nicht. Was ihm wirklich Spaß machte, was ihm wirklich, wirklich gefiel, was ihn so richtig auf die erkenntnistheoretische Palme brachte, das war „das Ding an sich“. (Nein, nicht das Ding zwischen den Beinen! Werdet endlich erwachsen!) Die Dinge so wie sie sind. So wie sie wirklich sind. Also ohne dass irgendein Mensch mit seinem subjektiven Verstand, seinen morgenmüden Augen oder sonst einem Sinn ähm hinschaut. So wie Gott, wenn es ihn denn gäbe, dieses Ding anstarren würde. (Aber hat Gott überhaupt Augen? Und wenn er keine Augen hat, hat er dann wenigstens Hühneraugen? Und wenn er nicht einmal das hat, kann er dann etwas fühlen? Und wenn er gar nichts fühlen kann, hat dann überhaupt etwas Bedeutung und Wert für ihn? Und blablabla.) Genau das ist der Punkt! Genau das ist die Frage: Wie sieht die Welt mit Gottes Augen aus?

Aber Kant war kein Märchenonkel, Gott hatte für ihn keinen langen Bart oder so, sondern Gott, das war eher die Gesamtheit aller Vernunft und alles Wissens. Und zugleich nichts davon. Ein Buddhistisches Nichts, ein Platonischer Höhlenforscher, ein anorganisches Allbewusstsein. Und für Kant war klar, dass wir nie kapieren würden, wie dieses ähm Ding die ähm Dinge sieht. Da kommen wir einfach nicht ran. Wie der Pudel an die Kokosnuss. Keine Chance. „Was die Dinge an sich sein mögen, weiß ich nicht und brauche es nicht zu wissen, weil mir doch niemals ein Ding anders als in der Erscheinung vorkommen kann.“ Sagt Kant. Und ihr habt es eh gleich verstanden, oder? Der Mann war Marienanbeter und glaubte an Erscheinungen.

Nein, stimmt natürlich nicht, in Wahrheit war alles viel viel viel viel viel viel viel komplizierter. Aber wisst ihr was? Uns ist das scheißegal. Und euch sowieso auch, das wissen wir ganz genau. Ja, sogar Kants berühmter kategorischer Imperativ („Handle so, dass deine Handlung eine Handlung ist, die genau weiß wovon sie handelt, außer sie spielt sich in einer Tierhandlung ab, äh, nein, das ging irgendwie anders …“) Ja, egal, das ist euch alles wurscht. Das wissen wir. Und wisst ihr, warum euch das überhaupt wurscht sein darf? Eben weil es Immanuel Kant gegeben hat, der sich genau darüber den Kopf zerbrochen hat. Und zwar gründlicher, detaillierter und versessener als je ein Mensch zuvor. Ja, er hat das so gründlich gemacht, dass lange Zeit niemand mehr etwas davon wissen wollte. Es war wie ein abschreckendes Beispiel. Über Jahrhunderte hinweg brauchte ein Vater seinen wissbegierigen Sohn nur diesen einen Namen nachschleudern, schon war es still am Mittagstisch. Sohn: „Du, Papi. Warum ist die Erde eigentlich rund? Und warum leben Schwämme im Meer. Und wofür brauche ich einen kategorischen Imperativ.“ Vater (brüllend): „Im-ma-nu-el Ka-ha-nt!“ Sohn: „Heul, flenn, schluchz. Du hast ja recht, wenn man erst zu fragen anfängt, wird alles soooo kompliziert. Ich frag’ ja nie wieder.“

Was kann uns Immanuel Kant heute noch mit auf den Weg geben?
Dass Pauschalreisen in die Karibik nicht vollkommen zu verdammen sind. Zumindest so manchem Philosophen würde ein Ausflug zu so seinem Sandstrandghetto samt Animateur und mitgereistem Swingerklub für 60+ Geilsäcke nicht schlecht tun. Ist das „Werk“ aber mal verbrochen, hilft auch das nichts. Dann lehrt das Beispiel Kant vor allem, dass die Dinge eben nicht so einfach liegen. Aber diese Lehre ist nicht so traurig wie sie klingt. Denn Kant war privat ein zwar eher schrulliger Mensch, mit einem fast schon krankhaft peniblen Tagesplan, aber er war zugleich ein gewitzter Zeitgenosse, der gerne mit Frauen flirtete und nichts mehr schätzte als eine gute Unterhaltung. Klar, denn Kant war ja nicht blöd. Und das ist doch eine feine Lektion für’s Leben, nicht. Auch wenn ihr vorhabt, tiefschürfende, nahezu unverständliche  Bücher zu schreiben, heißt das noch lange nicht, dass ihr deswegen zu blöd fürs Leben sein müsst.

Nächste Woche betreten wir ein Tal des Jammers und ziehen uns von dort an unserem eigenen Ego wieder heraus. Nein, es ist nicht Münchhausen gemeint. Wait for it!

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