Philosophen, großen, die; Teil 7

philosophie 7 mittelalterKapitel 7
Das dunkle, dunkle Mittelalter

Das Mittelalter war wirklich finster. Das Mittelalter war so finster, dass jeder Historiker, der darüber schreiben will, ein Nachtsichtgerät braucht. Das Mittelalter war so finster, dass sie damals den Mond für die Sonne hielten (denn die Sonne drehte sich ja um die Erde, war also immer irgendwo, diese gelbe Sau). Das Mittelalter war so finster … na gut, lassen wir diesen Stand-Up-Comedian-Unfug. Im Mittelalter ging’s der Philosophie jedenfalls schlecht, und das schon seit geraumer Zeit. Erst haben die Römer alles von den Griechen abgekupfert, und während das römische Imperium in sich zusammensank wie ein Käsesouffle von Gaston, waren Dutzende Mönche und Klosterschreiberlinge damit beschäftigt, den Gedankenramsch von Römern und Griechen unter die große Käseglocke des Katholizismus zu zwängen. Seither stinkt jede Form der abendländischen Philosophie nach katholischem Emmentaler. Weich in den Schlussfolgerungen, löchrig in den Letztbegründungen.

Natürlich gab es trotzdem ein paar kluge Kerlchen im Mittelalter, die einfach nur Pech hatten, dass sie in so finsteren Zeiten auf die Welt gekommen waren. Ein paar Jahrhunderte früher oder später, und sie wären fein raus – und könnten sich posthum den Titel „Klassiker“ auf ihren Grabstein eingravieren lassen. Es gab etwa eine Reihe arabischer Philosophen (Hört, Hört!), wie etwa Avicenna, Maimonides oder Averroes. Uns es gab einen Typen namens Augustinus, der seine Mutti sehr lieb hatte. Außerdem waren da Johannes Scotus Eriugena, Abaelard oder Thomas von Aquin, aber da die damals nicht einmal wussten, was ein Ranking ist, macht es wenig Sinn, eine Top 10 der mittelalterlichen Philosophen zu präsentieren. (Wofür denn auch?)

Wer das gar nicht glauben will, dem sei ausnahmsweise weiterführende Lektüre empfohlen (ah, welch schöne Phrase). Die „Kleine Geschichte der Mittelalterlichen Philosophie“ von Luciano De Crescenzo beantwortet alle Fragen, die wir in diesem Kapitel nicht gestellt haben.

Was kann uns diese Zeit der Finsternis heute noch mit auf den Weg geben?
Tja. Das ist das Tolle an der Philosophie. Sie kann uns auch noch dann etwas lehren, wenn sie gar nicht vorhanden ist. Denn was uns das dunkle Mittelalter vor allem lehrt, ist die simple Erkenntnis, dass es nicht gleich sein muss, dass nichts in der Gegend herumsteht, nur weil wir den Lichtschalter nicht finden. Es ist natürlich Blödsinn anzunehmen, dass zwischen, sagen wir mal, 200 und 1300 nach Christi nur Idioten herumgelaufen sind oder die Leute plötzlich aufgehört haben zu fragen, worum es denn überhaupt geht im Leben. Aber die Mönche damals durften der Nachwelt die wirklich bangen Fragen ihrer Zeit nicht hinterlassen, weil die frühkatholische Zensur jeden Satz ausradierte, in dem nicht mindestens zweimal „Gelobt sei Gott!“ vorkam. Aber vermutlich haben in dieser Zeit einige der klügsten Köpfe gelebt, die je auf Erden wandelten. Nur weiß niemand nichts darüber. Während Hohlköpfe wie Paris Hilton oder Richard Lugner heute jeder Säugling kennt.

Im nächsten Kapitel betreten wir die Neuzeit. Aber nur keine Angst, in diesem Zimmer ist es geheizt.

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.