die großen philosophen (8)

philosophie 8 descartes gRené Descartes & sein Kamin

Also dieser René Descartes, der hatte ein cooles Landhaus. Da war es wirklich schnuckelig. Und er hatte einen von diesen gemütlichen Kaminen, die man manchmal im Spätabendprogramm auf grindigen Fernsehsendern sieht. Er war so verknallt in seinen Kamin, dass er ihm einen philosophischen Text widmet (na gut, okay, zumindest Teile davon): „Wie oft doch kommt es vor, dass ich [mir einbilde], dass ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze […], während ich doch entkleidet im Bette liege.“ Probleme hatte der, nicht? Und ständig erzählte er davon, dass ihm ganz heiß oder ganz kalt war, was er unzweifelhaft spüren würde, also eine gesicherte Erkenntnis sei. Wenn man also einen feinen Kamin hat und diesen einheizt, dann ist es so sicher wie das Amen im Gebet, dass es bald warm im Haus wird und es daran nichts zu zweifeln gibt. Diesen Text nannte er „Meditationen“, und er wird heute noch im gut sortierten Baustofffachhandel als Liebhaberlektüre für Landhausbesitzer verhökert.

Ein Satz aus diesen Meditationen wurde allerdings so berühmt, dass ihn seither jeder Straßenjunge von Lissabon bis Hammerfest auswendig kann und auch seine eigenen Schlüsse daraus gezogen hat: „Ich denke, also bin ich.“ Und nein, wir versuchen Euch jetzt nicht zu erklären, dass es eigentlich „Ich heize, also bin ich“ hieß, sondern weil es uns gerade am Arsch kratzt (wir also das Gefühl haben, als hätte uns Sokrates gerade gefickt) wollen wir mal ein bisschen klugscheißen und erklären, dass es bei diesem Satz mitnichten darum gegangen ist, die christliche Metaphysik des Mittelalters hinter sich zu bringen. In der mittelalterlichen Metaphysik (siehe vorige Folge) hätte der Satz nämlich geheißen: „Ich denke, gelobt sei Gott, also bin, gelobt sei Gott, ich, aber natürlich nur, weil, gelobt sei Gott, Gott gelobt sei!“ Aber Descartes wollte keineswegs einfach nur alle Lobpreisungen herauskürzen (wäre ihm wohl zu einfach gewesen), nein, er wollte vielmehr klar machen, dass Gott nur deswegen gelobt sei, weil ich (also er) denke (also denkt). So etwas nennt der Akademiker einen rationalen Gottesbeweis. Wir nennen das einen typischen Fall von: Das hast du nun davon! (Denn kein Straßenjunge in Lissabon oder Hammerfest denkt heute noch an Gott, wenn er Dank Descartes erkennt, dass er ist, weil er denkt!)

Was kann uns Descartes heute noch mit auf den Weg geben?
Dass man sich die Sache mit den Kaminen noch mal gründlich überlegen sollte. Sicher, so ein Kamin hat schon was urgemütliches, aber da hockt man dann dort, starrt ins Feuer und muss sich trotzdem mit irgendetwas beschäftigen. Irgendeinen Gedanken wälzen. Also fängt man an zu grübeln. Über kurz oder lang wird man Philosoph, kein Schwein versteht mehr, was man eigentlich sagen will, und außer Missverständnisse und Einsamkeit bleibt nicht viel übrig. Dann doch lieber den Flatscreen in die Ecke stellen, die Playstation reinstöpseln und das Hirn auf Durchzug stellen. Und mit der unendlichen Leere im Kopf hinein in den Arbeitsalltag. Denn ob ich denke oder nicht, ob ich existiere oder nicht, ändert es etwas daran, dass ich jeden Tag meinem Chef die Manchettenknöpfe blankpolieren muss?

Nächste Woche lesen wir dann gemeinsam ein Essay. Oder einen Essay. Oder … ach, Fuck! Nächste Woche gehen wir essayn.

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