Wer braucht schon Augen im Kopf?

mustard aber echtAlso. Erstmal flattert mein Sohn vom Schreibtisch, bricht sich dabei das Ellbogengelenk. Aber mein Mann, der Riesenhornochse, tastet nur blöde herum an seinem Arm und meint, er wäre Doktor Sommer persönlich. Der Sohnemann ist aber auch nicht besser, gackert mit ihm im Duett über seine blöden Scherze, eine Minute später wieder der große Katzenjammer. Männer, echt, bevor die zugeben, dass der Schuh drückt, quillt schon der Emmentaler aus den Socken.

Also ab ins Hospital und gewartet. Dutzende Leute in der Notaufnahme. Skiunfälle natürlich, einen Tag nach dem Wochenende kommen alle drauf, dass man mit einem blauen Fleck vom Pistenzauber vielleicht doch einen Tag Krankenstand heraus schinden könnte. Ist mir auch egal, nicht aber das tranige Gesicht der Aufnahmeschwester, die mich keine Sekunde lang ansieht, sondern nur will, dass ich dieses blöde Formular ausfülle. Erklären brauche ich der auch nichts, das interessiert sie nicht die Bohne.

Also warten wir eine geschlagene Stunde, dann schenkt uns der behandelnde Arzt ein Sekündchen. Erneut versuche ich zu erklären, schließlich hat man eigene Gedanken im Kopf, aber der gute Mann winkt nicht einmal ab. Was so ein Laie wie ich darüber denkt, interessiert ihn nicht. Sein Urteil ist das Einzige, das zählt. Aber kein Wunder, wenn mein geliebter Hornochse schon glaubt, er wäre Arzt, dann müssen echte Ärzte ja davon ausgehen, dass sie Himmel und Erde erschaffen haben. Und genauso verhält sich der Arzt auch. Und blickt mich keine Sekunde lang an.

Ab ins Röntgen, wieder Warteschlange. Alle haben einen Wisch bekommen, nur wir nicht. „Entschuldigung, Schwester, brauche ich nicht …“ Mehr habe ich wirklich nicht gebraucht. Wie konnte ich mir nur einfallen lassen, das Krankenhauspersonal unbefugt anzuquatschen. Merke: Patient bedeutet der „Geduldige“, wird aber in österreichischen Krankenhäusern meist als K.A.K.E.R.L.A.K.E. buchstabiert. Weder die fuchtelige Flurschwester noch die Röntgenassistenz (muss ich es noch erwähnen) finden übrigens den Weg zu meinen Augen. Ich glaube, wenn ich mir „Fotze“ auf die Stirn tätowiert hätte, wäre das in diesem Krankenhaus auch niemanden aufgefallen.

Der Sohnemann bekommt seinen Gips (in der anonymen Gipserei) und wir nichts wie ab nach Hause. Im Lift eine Nachbarin (österreichischer Herkunft). Eine junge Türkin betritt den Aufzug, mit Kopftuch, wie üblich. Grinst mich die Nachbarin mit einer blöd-selbstgefälligen Verachtung an, als gäbe es nichts Lächerlicheres auf der Welt als Menschen anderer Herkunft und Kultur. Dieses Mal bin ich es, die ihrem gegenüber nicht in die Augen schaut. Meine anerkennende Bestätigung kriegst Du nicht, du blöde Gurke. Echt.

Liegt das wirklich nur an diesem verflucht kalten und tristen Winter oder ist die Scheiße bei uns echt schon so am Dampfen. Ich frage mich das wirklich. eki

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