die großen philosophen, teil 3

philosophie 3 platonDie großen Philosophen, Kapitel 3

Sokrates & Platon, aber heute mehr Platon

Von Platon war in unserer letztwöchigen Unterrichtseinheit schon die Rede. Der gute Mann hat sich natürlich nicht nur von seinem Lehrmeister Sokrates besteigen lassen, er wollte auch mal etwas wirklich Tolles vollbringen. Also segelte er in das nicht allzu ferne Syrakus, um den dortigen Diktator Dionysios ein paar coole Tipps zur besseren Staatslenkung zu flüstern. Aber obwohl Platons Tipps nicht schlechten Eltern waren (siehe unter anderem „Der Staat“), etwa Sklavenhaltung, Eugenik, Elitenherrschaft und viele schöne Sachen mehr, interessierte das den Tyrannen nicht die Bohne. „Ich habe jahrzehntelange, praktische Erfahrung in angewandtem Despotismus, da brauche ich keinen dahergelaufenen Theoretiker, um mir erklären zu lassen, wie ich es den Leuten in blumigen Worten erkläre, dass ich sie von hinten vorne in den Arsch ficke!“ Dionysios geriet so in Rage, dass er Platon sogar in den Kerker werfen lies. Bei anderer Gelegenheit durfte Platon zur Strafe dann auch mit dem Ruder auf dem Unterdeck eines Sklavenbootes tiefgründige Gespräche führen. Trotzdem fuhr Platon dreimal nach Syrakus … und fiel dreimal auf die Nase.

Was kann uns Platon heute noch mit auf den Weg geben?
Eine Erkenntnis, die sich viele Philosophen bis heute gut eingeprägt haben. Du hast entweder Recht oder du stehst auf der Gehaltsliste. Platon wollte Recht behalten, also wurde nichts aus dem Top-Job als Unternehmensberater. Hätte er dem Chairman von Syrakus erzählt, was er hören wollte, so wäre es ihm ergangen wie heute all den Philosophiestudiumsabsolventen, die für globale Weltkonzerne coole Mission Statements und Corporate-Responsibility-Bibeln schreiben: Er hätte groß abgecasht. Also überlegt es Euch gut, wem und wie ihr wem Eure Weisheiten andrehen wolllt. Und eine Faustregel noch mit auf den Weg: Spart Euch elendslange Abhandlungen. Ein paar griffige Slogans, ein paar markante, möglichst originelle Gedankengänge, und vor allem eine handfeste, prägnante Kosten-Nutzen-Rechnung, und der Vertrag ist perfekt.

Nächste Woche besuchen wir den Typ in der Tonne und erfahren, warum Witze über Lulu und Gaga total systemkritisch sind.

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