Religionsfreiheit? Nein, danke!

gotlibs gottklub 500Wenn Jesus ertränkt und nicht gekreuzigt worden wäre, dann stünde in jedem Klassenzimmer Österreichs ein Aquarium …

Ich bin gegen die Religionsfreiheit. Darf ich das? Freilich, denn die Meinungsfreiheit erlaubt es mir. Die Meinungsfreiheit sagt aber, dass ich die religiösen Gefühle der Menschen (Ali, Gupta, Yitzhak, Christian …) nicht verletzen darf. Mit den Worten meines liebsten Kaisers, Ferdinand des Gütigen, als er dunnemals im 48er-Jahr den marodierenden Mob in Wiens Straßen sah: “Ja, dürfen’s denn des?”

Nein, dürfen Sie nicht. Meine Meinungsfreiheit muss einschließen, mein Bein an jeder Religion und jedem und jeder Gläubigen zu heben. Umgekehrt darf jeder dahergelaufene Christ sein Bein an mir heben. Ja, viele gehen sogar zu weit, zu meinen (nicht glauben, aber auch), ich käme in die Hölle. Das ist ein tolles Stück, aber es sei ihnen vergönnt. Gott würfelt nicht.

Deshalb gehen auch alle Religionen davon aus, dass sie allumfassende Wahrheit anbieten. Das müssen sie auch. Sonst wäre es vergebene Liebesmüh‘ und ziemlich unnütz zu glauben und zu fragen, nümm? Dem folgend, kann ich annehmen, dass alle, die anderen Religionen folgen, verdammt sind. Und vice versa.

Glaube ist keine Meinung. Religion ist Privatsache. Und als solche hat sie keinerlei Unterstützung durch den Staat zu erfahren. Und darüber hinaus darf auch keine Glaubensgemeinschaft Ansprüche an die Gesellschaft oder den Staat richten, sondern einzig und allein an die Gläubigen. Folglich hat sie auch aller Güter, die nicht unmittelbar der Glaubensausübung dienen, enteignet zu werden. Ich denke an Weingüter, Zinshäuser, Schulen, Zeitungen, Verlage, Altersheime, Notschlafstellen.

Es soll keinen Religionsunterricht geben und auch keine Zeit dafür im regulären Schulunterricht, um das nachzuholen. Es soll kein Konkordat geben. Kirchen, die nicht erhalten werden können, werden dann eben selbstverwaltete Jugendzentren oder was weiß ich. Der Staat soll sich doch um Arme kümmern. Und den Reibach dafür holen wir uns vom Klerus. So einfach ist das. Ja, wirklich! Das ist nicht polemisch. Sondern demokratisch, schließlich bestimmen WIR im Staat. In der Glaubensgemeinschaft nicht.

Religionsfreiheit muss also nur als Freiheit von Religion verstanden werden. Sind wir ehrlich, welchem Katholik ist denn noch bewusst, was sich aus seiner Gottesebenbildlichkeit ableitet? “Ich glaub schon an Gott, aber nicht so wie die Kirche sagt, dass da ein alter Mann mit Bart im Himmel hockt, ja.” – Na, die Kirche, die das sagt, möchte ich sehen. “Ja, als Christin würde ich mich schon bezeichnen, also so christliche Werte und Überzeugungen, aber deswegen kann ich ja trotzdem an Wiedergeburt glauben, oder?” …

Die Religion ist am absteigenden Ast und wir müssen nur kräftig weitersägen! mazirki

PS Die Zeichung stammt vom französischen Comickünstler Marcel Gotlib. Neben diesem Comic namens „Gods Club“ wurde Gotlib unter anderem mit dem Geschichtenband „Peter Pervers“ und „Superdupont“, einer französischen Verarsche von Superman bekannt (kein Witz!). Das war allerdings in den 1980er Jahren. Heutzutage gibt es Gotlib eher kindergerechter, der Mann will ja auch von etwas leben.

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