bloß nicht aufregieren!

mustard ahoiChefredaktöse Eva Kiel erzählt von ihrem Arbeitsmeeting mit einem österreichischen Kabarettisten, der ihr en passant erklärte, wie man richtig gutes politisches Kabarett nicht nur in, sondern für Österreich macht. Na gut, er hat es zumindest versucht.

 „Ahoi“, sagte der Leichtmatrose von Weltformat, „ich zeig’ dir, wie man in Österreich Kabarett macht.“ – „Da bin ich aber gespannt“, antwortete ich (und dachte: “Für, nicht in! Für!”), während ich meine Arme verschränkte, wie man das so macht, um intellektuelle Distanz vorzutäuschen. Außerdem ging es mir auf den Wecker, dass er mir dauernd auf den Busen starrte. Nicht, dass ich mich dafür schämen würde, aber Männer schaffen es in dieser Hinsicht zu mitunter beträchtlicher Penetranz, gelle.

 „Also, sagte der Matrose, „du nimmst ganz einfach mal das tagespolitische Geschehen zur Hand …“ – „Die Sau, die täglich durchs Dorf getrieben wird?“, fragte ich. „Genau diese“, zwinkerte er mir zu, dabei beugte er sich ein wenig nach vor und starrte umso penetranter auf die kleinen Verwerfungen, die sich zwischen meinen Ellbogen und Unterarmen nicht vermeiden ließen. Aber schmecks, wofür habe ich einen dicken Strickpulli angezogen? „Nimm etwa das Inhaltsverzeichnis eines halbwegs aktuellen Profils, mehr brauchst du nicht.“ – „Mehr nicht?“ – „Nein, mehr nicht, ist alles da. Von den Verschwörungstheorien über die Grippeimpfung, die zwar als solche dargestellt, aber nichts desto trotz neu aufgewärmt werden, über die EU-Reife von Johannes Hahn – bei der Gelegenheit ein Tipp: Österreich immer in einen Topf mit dem Begriff „provinziell“ werfen – bis hin zu Spitzelaffäre, Grasser, Meinl und Co.“ – „Aha“, sagte ich, und bemühte mich, es auch wie ein „Aha“ aussehen zu lassen.

„Und dann machst Du Dich über all das lustig, wobei Du Dir aber noch etwas einfallen lassen musst, denn sonst könntest Du es ja einfach so runter lesen, wie es im Profil oder hin und wieder auch im Falter steht. Feiner Wortwitz ist dabei ein guter Rat. Nimm z. B. die immer noch andauernden Studentenproteste. Was ist da das Thema?“ – „Die Regierung kriegt ihren Arsch nicht hoch?“ – „Genau. Da kann man ganz locker ein paar Wortwitze einbauen. Schlecht gepröllt Löwe, zum Beispiel. Oder: Studentendemos: Ehe der Hahn dreimal kräht, geht hier gar nichts.“

„Pff“, sagte ich, „das ist aber mager.“ Mein Gegenüber blickte mich mitleidsvoll an. Es war einer dieser Blicke, die klar machen: Wäre ich ein Mann, hätte er mich längst als unbedarftes Würstchen ignoriert, aber weil ich eine Frau bin, na, gibt er mir halt noch eine Chance. So einfach wollte ich es ihm aber nicht machen. „Mach mal einen Wortwitz mit Faymann“, sagte ich. „Faymann, Faymann“, stotterte er, „warte mal. Feinmann, Freimann, Fay, man, Fay Wray, Fayge Sau, Fayvel, der Mauswanderer … ist schwierig, zugegeben. Pröll ist leichter.“

„Aha“, sagte ich protokryptisch und tippte leicht mit meinem linken Fuß auf den Boden. Nur eine Andeutung von Ungeduld. „Vielleicht nimmst Du ein paar andere Namen, um Dich aufzuwärmen. Wie wär’s mit: Faymann sucht mit Ostermayer ein paar budgetäre Ostereier beim ORF, während Pröll die Studenten prellt und Claudia den Lehrern einen Schmiedl macht. Überhaupt agiert die ganze Regierung hundstorferlmässig, bis auf Fekter, die zwischen Arizona und Arigona alles abfektert, was nicht niet und nagelfest ist.“ – „Nicht schlecht für den Anfang“, gab sich der Leichtmatrose gönnerhaft, „beinahe hätte ich mir in die Heinisch-Hose gemacht.“

„Auch gut“, konterte ich, das solltest du mal am Würstelstand bei einem Bures-Häupl loswerden.“ – „Aber das ist nur der Anfang. Jetzt kommen natürlich die Kraftausdrücke, die dürfen nicht fehlen, sie sind das provokante Salz in der Suppe. „Verstehe“, sagte ich“, Ficken, Arsch, Wixen, schon rufen dreitausend empörte Ö1-HörerInnen an.“ – „Na ja, ganz so einfach ist es nicht“, antwortete er und legte gönnerhaft seinen Arm um meine Schulter um mich schlüsselbeinabwärts zu befummeln. „Schau mal, Beleidigung ist eine Kunst. Versuch’s mal mit: Fayger Faymann fickt die Studenten in den Arsch. Oder: Fekter im Fickstreik: Sie lässt keinen mehr rein!“

„Und so macht man Kabarett?“, fragte ich und versuchte dabei so dreinzuschauen, als würde ich an einem Kugelschreiber nuckeln (fiel mir Übrigen gar nicht schwer …). Aber nach ein paar Sekunden wurde mir das zu mühsam, also platzte ich hervor mit meiner Meinung: „Und was macht man mit dem Rest des Kabinetts? Ich spindelegger Dir eine? Dich werde ich mal so richtig durchschiedern? Lopatka in der Höhe? Darabos und zugenäht? Mitterlehn’ Dich nicht zu weit aus dem Fenster? Berlakovich oder ganz die Klappe halten, das ist hier die Frage? Also echt, damit kann man doch keinen Abend mit Kleinkunst füllen?“ – „Oh doch, und wie man das kann! Dafür kriegt man sogar einen ORF-Sendeplatz. Mit Handkuss!“

 Ich glaube, ich hätte jetzt wohl „Donnerlittchen“ oder “Paddauz” oder “Sapperlot” oder “Je bempti …” oder etwas in der Art sagen sollen. Andererseits, der Typ wollte mir ohnehin nur an die Wäsche, ganz egal, auf welche Weise ich ihm die Eier kraule. Sagt man doch so? Ja oder nein? eki & zirki

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