„Der Standard“ in Not

mustard standardMit tiefster Erschütterung stellten wir fest, dass „Der Standard“ nun endgültig auf feinhumorige Klingen auf seiner Startseite („Einserkasterl“) zu verzichten gedenkt. Aufopfernd, wie wir als mythologisches Fabelwesen nunmal sind, haben wir dem „Standard“ ganz einfach angeboten, dass wir uns der Sache (sprich: dem „Einserkasterl“) annehmen. Wir erwarten eine erste Rückmeldung in Kürze, so in etwa 2013.

Hier jedenfalls unsere ersten Vorschläge für das „Einserkasterl“ des „Standard“:

Gudrun und das Einserkastl

Es ist ja nicht mehr ganz so wie früher, denn [dag] hat sich auf, für den Kastljunkie bzw.die Kastljunkette unendlich lange, Zeit verabschiedet. Aber auch bis dahin will das vergnügungssüchtige Gewohnheitstier LeserIn das in “seinem/ihrem” Blatt lesen, was es erwartet. Und begonnen wird immer mit dem Einserkastl. Und erwartet wird immer etwas gegen Hunde (gacken), Jugendliche (ungezogen) oder Migranten (Machos), von Leserbriefen (süüüß), Neffen (süüüüüß) oder Alltagsgeschichten (Servicehotline). Schlecht erwischt hat es [guha], eine Spezialistin für Frauen und Islam, die von einer knackigen Pressemeldung aus London an ihrem Schreibtisch überrascht wurde. Ohne Plan, mit stolzgeschwellter Brust und fliegendem Teppich paraphrasierte sie (ganz stilsicher ist sie dabei nicht) eine kleine Pressenotiz und versucht aus einer grundkomisch soliden Begebenheit etwas Feinsinniges zu zimmern. Sie wusste nicht, dass Komik einer Pointe bedarf und unter Länge leidet. Vor die Wahl gestellt, von der fürchterlichen Aufgabe zermalmt zu werden oder einmal auf Seite eins zu stehen, zog sie es vor die Flucht nach voran anzutreten. Das kullert und humpelt. Tipp an die Redaktion war das jetzt aber keiner. (mazirki)

Schlechter Witz

Und schon wieder wird uns mit dem abgedrehten Gashahn gedroht. Natürlich just im Winter, im bitteren. Das ist ein wenig so wie mit den Ozonwarnungen, die haben auch im Sommer, im brennend heißen, Hochsaison. „Opportunisten“ mag man in beiden Fällen empört rufen, und wo die Empörung ist, lässt der beißende Witz in der Regel nicht lange auf sich warten. Aber ist bereits das Ozon kein dankbares Thema für den Humoristen, geht es doch um fatale Auswirkungen im globusrunden Ausmaß, die kein gottgleicher Wissenschafter auf die Kommastelle genau berechnen kann, so ist beim Gas endgültig Schluss mit Lustig. Witze über Gas zu reißen, das wäre des Schreibtisches tiefste Schublade. Schlimmer noch, man müsste in den Keller gehen, um diese Geschmacklosigkeit zu verfassen, und dürfte sich dann nicht mal Gäste zum unterirdischen Lachhappening vorladen, denn schon stünde man mit einem Fuß im Kriminal. Zu recht natürlich. Also bleibt die Angelegenheit am Ende völlig witzlos, wie das allzu transparente Kalkül ukrainischen Naftogaz, die nun erneut am Gashahn kurbelt. Lachen wir frühmorgens lieber über ein anderes Thema. Schon gehört? Demnächst soll es wärmer werden. Ende April angeblich. (grog)

Überdruck und Unterdruck

Es ist bezeichnend für eine Sprache, wenn sie Quallen wie den Über- und Unterdruck zur Welt bringt, denn es ist der Überduck der unter Druck steht und nicht umgekehrt, geschweige denn vice versa (um ein bisschen Latein mitzubacken). Hic Rhodos, also springe ich, sogar über Dampfwalzen, die alles walzen können, nur eben leider nicht den Dampf. Ob Hans Dampf so heißt, weil er über alle Gassen verteilt gewalzt wurde, ist nicht bekannt. Gesichert ist, dass der junge Mann keine Verdauungsprobleme hatte, ist doch nicht jede Blähung im Forst ein Schas im Wald aus dem es heraus stinkt, wie man hineinposaunt. Die Trompeten von Jericho waren allerdings Posaunen, wenngleich sie, aus dem letzten Loch gespielt, ähnliches mit den Mauern anzurichten vermocht hätten. Wer aus dem letzten Loch pfeift muss also nicht Hans Dampf sein, sondern steht in eventu unter Druck. Unter Druck habe ich auch die besten Ideen. So entstand dieses Einserkastl, auf dem Intimitätenschüssel. Es bleibt abzuwarten, womit die Sprache noch schwanger geht, aber es werden wohl keine Reisen sein. Macht nichts, auch Zwerge werfen, nach Kraus, hin und wieder ihre Schatten. (mazirki)

Gravität und Geld

Macht Geld eigentlich leichter oder schwerer? Rein physikalisch betrachtet ist Geld natürlich eine Last, wie das Beispiel des somalische Seepiraten bezeugt, der mit 153.000 Dollar in bar ertrunken ist. Hätte er diesen Betrag als Scheck oder Wertpapiere mit sich geführt, hätte ihn das vermutlich nicht das Leben gekostet. Ideell betrachtet sieht es natürlich umgekehrt aus, denn wer würde nicht behaupten, dass ein sattes Guthaben auf dem Konto um einige Sorgen erleichtert, ergo für existenzielle Leichtigkeit sorgt? Die weltweite Erleichterung um Unsummen, die wir der Finanzkrise verdanken, brachte hier den entsprechenden Effekt: Von Existenzsorgen zu Boden gedrückte Multimilliardäre. Oder mit anderen Worten: Von der Schwere finanzieller Erleichterung in die Tiefe gerissen. Nicht nur das Glück, sondern auch das Geld ist also sozusagen ein Vogerl, man muss bloß darauf achten, dass man dieses Federvieh in derartigen Unsummen mit sich führt, dass es sich nicht mehr in die Taschen stopfen lässt. Dann fällt man zwar eventuell immer noch aus allen Wolken, ist aber meist noch lange nicht am Ertrinken. grog & mazirki

PS Der Standard hat artig geantwortet, sehr diplomatisch natürlich, aber auch leicht genervt wirkend („Haben Sie Geduld!“). Trotzdem Danke, werte Fr. Föderl-Schmid.

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