Ein Keks für Gio!

news gioWir hatten eine Offenbarung! Gestern abend im Fernsehen! (Unglaublich, nicht?) Es war ein ÖVP-Politiker, der Balsam auf unsere gelangweilten Politikwunden legte. „Mir geht diese ganze Geschichte schon so am Keks. Wir verschwenden nur Zeit mit diesem Gelabbere.“ Sagte ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes „Gio“ Hahn live in der ZIB 1. Danke, Gio! Die Kekse hier sind für dich und nur für dich!

Die Kekse sind nicht für eine Partei, schon gar nicht für deine, Gio, sondern für diesen raren Moment ehrlicher Dampfablasserei. Denn was wir im Fernsehen sehen, in den Zeitungen lesen, in Natura erleben wollen, sind nicht die NLP-geschädigten Dampfplauderautomaten (Münzeinwurf wäre bei manchen Politikern wahrlich keine völlig aus der Luft gegriffen Überlegung), sondern Menschen, die von Zeit zu Zeit einfach genau das sagen, was sie eigentlich denken. Okay, es gibt genügend Menschen, wo man genau das nicht hören will, aber hey, das nennt man Demokratie.

Was wir stattdessen aber haben sind Menschen, die vier Jahre lang so tun als würden sie etwas sagen, was man unter Umständen auch als das Resultat eines vernünftigen Denkprozesses ausweisen können, in Wirklichkeit aber ein Gemisch aus Kalkül, Verlogenheit und Spindoktorengeplapper ist. Kann man das noch repräsentative Demokratie nennen? Klar haben wir die Burschen gewählt (und Burschen sind es immer noch meistens), und das Geschwafel ist wohl auch irgendwie repräsentativ, aber so realitätsnahe wollen wir das gerade mal nicht durchdenken, wo bleibt da die Ironie? Eben. Was wir haben ist eine behauptete Demokratie, eine, die nur so tut als ob, die in Wahrheit aber eigener Pseudobefindlichkeiten wegen strategische Sandkastenspielchen inszeniert.

Den Menschen ist es Kantwurst, Alfred, ob du nach 27,5 gebrochenen Wahlversprechen eine Zwischenbestzeit gerade mal so über den Abhang schummelst, die wollen dich schwitzen und arbeiten sehen. Im oben genannten Sinne übrigens, nicht vor dem Spiegel kurz vor und nach der Pressekonferenz. Und Willy, ja, genau, du auch. (Ich habe ein Recht darauf, Euch zu duzen, ihr versucht täglich mich in meinen eigenen vier Wänden für einen Vollidioten zu verkaufen, da wird man zwangsläufig intim, gelle.) Also. Wie wäre es, wenn wir Demokratie in Zukunft nach laufend abgegeben Onlinebewertungen casten? Belohnt wird nach diesem System nicht Geplapper, sondern klare, offene, halbwegs vernünftig formulierte Argumentation. Und konkrete politische Arbeit natürlich. (Schwierig, schwierig, ich weiß.) Um irgendwann diesen Gedanken in alle Winde zu zerstreuen, dass politisches Kleingeld damit gemacht wird, auf welcher Seite man zu welchem Thema seinen Senf auf das Burenhäutl der Kleinkariertheit schmiert, sondern dafür, dass man das Burenhäutl selbst schmackhafter macht. (Mann, geht’s noch plastischer? Irgendwer eine Debreziner? Nein, Döner. Ach so.)

Gio Hahn also hat das Burenhäutl für einige Augenblicke wirklich lecker gemacht. Mit einem Keks. Dafür hat er die Zwischenbestzeit eingefahren. Fünf Sympathiepunkte. Keine Ahnung, wie er morgen seinen Buckel wieder krümmt oder krümmen muss. Aber besser wenigstens einmal in fünfzig Lügen und Beschwichtigungen einen brauchbaren Satz gesagt zu haben (der auch mal erkennen lässt, dass da nicht ferngesteuerte Politbausätze durch das Parlament stolpern, sondern Menschen), als überhaupt nur auf der Seifenblasengischt eines irgendwo vermuteten Konsens. Also. Hier die Kekse, Gio, die in Wahrheit du uns geschenkt hast. Danke dafür. Gerne wieder. cc

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