Silvesterknalltüten!

mustard booomFolgende Handlungsoptionen standen jahreswechslerisch realiter zur Verfügung: Knallen oder Knallen lassen. Und in Folge: Abknallen oder Abknallen lassen. Weil, warum? Weil diese ganze verdammte Stadt vor und nach dem Jahreswechsel knallt. Sie verwandelt sich in eine entwürdigte Lärmproduktionstheaterkulisse. Die, und das meine ich ernst und frei von jeder Ironie, jegliche zivilisatorische Errungenschaften ad absurdum führt!

Wir haben evolutionär (und sonst gar nix! Gar nicht erst auf einen Schöpfungsgedanken kommen, Leute!) links und rechts vom Kopfe zwei zarte kluge Orgänchen bekommen, die uns Genuss, Freude und Frohmut bereiten. Unsere Ohren dienen uns still und brav durch Jahr und Tag, tragen unser Gleichgewicht, und erinnern uns allgegenwärtig an das schöne Sein im dreidimensionalen Raum. Wir sind bedacht mit stereophoner Wahrnehmung und haben im Laufe der Zivilisation gelernt, diese zarten feinen Muschelchen mit wohlklingendem Ge-Töns zu erfreuen.  Bis zum Ende des Jahres.

Denn dann kommen die Böllerwerfer. Und, machen wir uns wieder nix vor, die weibliche Form brauchen wir hier auch nicht, gell? Diese wahnsinnigen kleine und großen Testosteronbeidln, die ohne auch nur eine Sekunde innezuhalten, Monatslöhne verpulvern und darob auch noch Applaus erwarten. Ok, der Terstosteronbeidl an sich erwartet sich für vielerlei Schmonzens Applaus, ist bekannt, aber am 31. Dezember läuft das Fass … äh … der Beidl über! Lasset uns, dieses Verhalten untersuchen. Weil was wir nicht ändern können, müssen wir verstehen wollen! Und was uns am Sack geht, muß geklärt werden!

Am Anfang jeder Untersuchung steht eine Frage. Diese: Warum tut jemand so was? Und eine sinnvolle Einschränkung. Diese: Was ist denn das am – Fenster – sitzen – und – Böller – hinauswerfen für eine Art Handlung? Welches Ziel kann hinter dem Werfen von Knallkörpern stecken? Nicht dass zielloses Handeln irgendetwas Schlechtes wäre, Gott bewahre (verdammt!), au contraire macht ja nachgerade das sinnentleerte tun am meisten Spaß!

Wobei, es steckt auch hinter dem ziellosen Gebaren ein tiefer Sinn. Wenn nur lang genug nachgedacht wird, entfaltet sich im blödesten Tun der Grund für selbiges! Ich sage nur: im Stammlokal bis morgens um 8:00 rumlungern! Sinn? Vielleicht bedankt´s der Wirt ja mal mit einem Messingschild an der Bar: „Diese Einrichtung möglich gemacht hat: Vorname Nachname“. Und schon haben wir eine Beweis unseres Seins. Und genau darum geht es ja.

Wir sind doch every second danach bestrebt uns real existierend und lebendig zu fühlen (das gilt natürlich nicht für unsere katholischen Freunde) und das gelingt indem wir wahrgenommen werden. Ganz einfach. Wir sind, weil uns jemand dabei sieht. Oder hört. Jemand, den wir wider wahrnehmen. Das wollen wir so, das brauchen wir, das macht uns Freude. Schießen womöglich diese vermaledeiten Falotten nur deswegen Böller rum, weil sie wahrgenommen werden wollen? Haben wir es hier mit Hilferufen zu tun? „Hör mich an, ich bin da!“?

Ist das Böllern zur Silvesterzeit ein beweis für das Versagen aller sozialen Netze? Denn ist es in Wahrheit so, dass es arme einsame Seelen gibt, die da jahrein jahraus hinter den Fenstern dümpeln und unbemerkt siechen? Bis sie zu Silvester, endlich, am letzten Tag des Jahres, vom Leidensdruck ins Handeln gezwungen werden, von der Einsamkeit angestachelt das Fenster aufreissen, ein Feuerzeug zart berühren, und eine Batterie von Schweizern und Piraten mit Absicht, Verve und Freude runterpfeffern, und uns in diesem Akt des Willens offenbaren: HÖR MICH! SIEH MICH! AUCH ICH BIN DA!

Und, liebe Freunde und Freundinnen, wie sollen wir mit diesem letzten verzweifelten Versuch, mit uns in Kommunikation zu treten würdig umgehen? Was kann die Antwort auf soviel Offenbarung im Schmerz nur sein? Richtig: GEHT´S SCHEISS´N!

Oiso: Nicht laut sein, außer in der Liebe und in der Musik, gell? Und schon wird´s ein gutes Jahr! ag

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