Hydra zu Besuch bei den 9 Volt Batteries

Na gut, sie schummeln. Ich geb’s zu. Zwischen Gitarre und Verstärker tummeln sich ein halbes Dutzend Effektkobolde herum. Kein Wunder, dass es kracht und grammelt, wenn der Gitarrist in die Saiten langt. Und sie haben diesen einen Schmäh, die eingesprungene Noiseexplosion, ein Donnerwetter aus den tiefsten Archiven des harten, äh, nein, härtesten Rock.

Außerdem, wenn wir schon dabei sind, da ist natürlich auch eine Menge Attitüde dabei, die jeder dahergelaufene Rocksenior auf den ersten Blick durchschaut. Was hilft das ekstatische Gezucke, wenn zwei Sekunden später die aus dem Bund gesprungene Saite fürsorglich wieder zurückgeschoben wird, wie eine Biene, die sich auf eine Hundschnauze verirrt hat. Hier, da ist der Blütenkelch, jetzt summ schön friedlich weiter.

Na gut, sie sind jung, sie sind nicht unfehlbar, sie haben den Rock (oder den Punk, oder den Hardcore, oder den Deathmetaltrashgrindcore) nicht erfunden. Aber Killed By 9V Batteries ist trotzdem eine der erfrischendsten österreichischen Bands seit langem. Da wird nicht lange gefackelt, sondern charmant ungelenk in die Gitarren gedroschen, keine vier Takte beim selben Riff verweilt, hübsch dissonant und polyrhythmisch immer wieder nach kreativen Umbrüchen gesucht… und es wird herzhaft die unschuldige Teenierocksau losgelassen und postpubertär über die Bühne getrieben, dass es eine wahre Freude ist. Das ist einfach stimmig und authentisch, so wie die abgenudelten, zugepickerlten Gitarren. Andererseits… vermutlich ist das sogar die schlimmste Attitüde, aber was soll’s. Ich glaube ihnen ehrlich, dass sie nicht auf der Bühne stehen, um irgendeinem Klischee nachzuhecheln, sondern dass sie wirklich dieses shiny beast called Rock ‘n‘ Roll beschwören wollen, mit allem Lärm, der aus ihren Instrumenten zu sprudeln vermag. (Das war natürlich jetzt glatt gelogen, einem Musiker würde ich nie etwas glauben, aber ich denke, Ihr wisst, was ich meine: It was really fun to watch them trying.)

Zu guter Letzt: Sie haben diese klassische Rockbandbesetzung, die noch viel Gutes verspricht. Der expressive, in seine eigene Radikalität verliebte Sänger und Leadgitarrist (John), der etwas bravere, zweite Gitarrist (Paul, dessen Verstärker übrigens nach fünf Nummern den Geist aufgab, egal, es wurde ohne ihn weitergespielt, sehr wacker das), der versponnene Bassist (Georg) und am Schlagzeug natürlich der Sonnyboy (Ringo), denn nur wer in sich ruht, schlägt den wirklich straighten Beat. (Nein, sie sind natürlich nicht die neuen Beatles, war nur ein Scherz!)

Zähle ich all das zusammen, dann komme ich unter dem Strich auf die alte Bilanz, dass es ganz einfach nicht darum geht, was du auf deiner Gitarre runternudelst, sondern wie du das machst. Was das betrifft sind KB9V wirklich a wicked train called extasy, selbst wenn, wie schon neunmalklug erwähnt, das nur deswegen funktioniert, weil sie eben schummeln was das Zeug hält. But what the fuck! Die Sache mit den ekstatischen Noiseeskapaden, die doch immerhin ein gutes Drittel ihrer Stücke ausmachen, werden auch irgendwann weniger werden (die Burschen wollen ja auch sicher „musikalisch reifen“, wie so viele faule Äpfel im großen Garten des Pop), und dann werden alle sagen: „Jetzt sind sie weich geworden.“ Und dann werdet ihr wissen, dass es zu spät ist. Die Legende, die man sich später erzählen wird, habt ihr versäumt.

Truly. Das Konzert im Chelsea war… ich tänzle noch ein wenig um das Wort herum, es ist mir eigentlich peinlich… fangen wir von hinten an: „tionell“, das ist mein voller Ernst, und dann auch noch ein: „sensa“, nur so zum Drüberstreuen. Schaut Euch diese Band an, wenn sie Euch unterkommt und wenn Ihr unter einem feinen Konzert etwas anderes versteht als gemütlich herunter gezupfte Akkordkaskaden.

Das angehimmelte Konzert fand am 21.11.2007 im Wiener Chelsea statt, more of the jungen Burschen gibt es hier. Übrigens: Über Killed by 9 Volt Batteries war auch in Hydra #5 einiges zu lesen.

2 Comments
  • dsuch

    6. August 2010 at 04:20

    Ich denke, dass Sie sich irren. Geben Sie wir werden es besprechen.

  • PaulKO

    11. November 2010 at 17:42

    Megarespekt !!!!!